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In dem ersten der beiden interessanten Gutachten wird die Persönlichkeit einer „viril gearteten, bis zur Brutalität energischen” Urninde gezeichnet, „die auch in der Liebe rücksichtslos und berechnend mit der Erfüllung ihrer sexuellen Wünsche materielle Vorteile zu verknüpfen weiss” und die Freundin sich in jeder Hinsicht untertan macht. Das zweite schildert eine in ihrem Wesen und Liebesempfinden überwiegend feminine Homosexuelle, die in der virilen Geliebten Stütze und Halt sucht. Während die Verf. in dem ersten Falle offenbar keinen Zweifel an der ausschliesslich homosexuellen Triebrichtung haben, sprechen sie sich im zweiten Gutachten dahin aus, dass „zum mindesten eine überwiegend homosexuelle Komponente der geschlechtlichen Individualität” nachweisbar ist. In der Tat ist ein grösserer Unterschied zwischen den beiden Frauen kaum denkbar. Während die eine das Urbild primitiver Männlichkeit darstellt, spricht aus den Liebesergüssen der anderen so viel schönes und echtes weibliches Empfinden, dass man wohl im Zweifel sein kann, ob hier nicht ein Irregehen bei der Objektwahl vorliegt, wie sie die ersten Regungen nach der Pubertät häufig mit sich bringen (Freud). Leider haben die Verf., die ihr Gutachten nur auf Briefe, die die betreffende Dame an die Geliebte geschrieben hat, basieren, es verabsäumt, über ihr Alter und ihre Entwicklung Angaben zu machen.
Dr. Bruno Saaler.