You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Spontan fragt eines Tages ein vierjähriges Töchterchen seine über alles geliebte Mama: „Mama, wie lange geht's eigentlich noch, bis du stirbst?” Auf die Frage, was es damit meine, antwortet es prompt: „Hm, dann ist nur noch ein Rock (Kleid).” „Den bekommt die Stiefmama.” Der Verf. sucht „die der kindlichen Frage vorangehenden inneren Vorgänge” zu rekonstruieren. Das Kind möchte gern das Aschenbrödel sein, das der Prinz zu Ehren brachte, das vom Bäumchen schöne „Röckli” bekam. „Aschenbrödel” kann man nur sein, wenn die rechte Mutter tot ist und die Stiefmutter alle schönen Kleider der eigenen Mama hat. Der Wunscherfüllung wegen wünscht das Kind entschieden den Tod der Mutter, was Häberlin dem Kinde nicht zumuten will. Den Vorgang, der sich nach Häberlin „begrifflich kaum ausdrücken” lässt, „weil es sich wesentlich um Gefühle mit halbbewussten Vorstellungen handelt”, deutet der Psychoanalytiker als einen Wachtraum mit einer Wunscherfüllung und spricht von unbewussten Vorstellungen.
Ein zweites Erlebnis, das Häberlin vorbringt, besagt: „In der Nachbarschaft hat die kleine Freundin ein Brüderchen bekommen, unser Kind hat das „Buschi” gesehen und hat sich mütterlich zu schaffen gemacht. Natürlich fragt es, ob es auch einmal ein Brüderchen bekäme, und die Eltern leugnen nicht die Möglichkeit.” Von nun ab beschäftigt dieses Erlebnis aufs intensivste die Phantasie des Kindes: „Mama, ich weiss ein Geschichtli, es ist aber ein wüstes”, sagt einmal die Vierjährige. Aufgefordert zu erzählen, führt sie aus: „Es war einmal ein Paulinchen, das trug ein Buschi. Da gab es ein grosses Feuer und das ganze Haus verbrannte und das Buschi auch.” Nach einer Pause: „Und das Paulinchen auch.” Häberlin konstatiert die Identifikation des Kindes mit dem „Paulinchen” des Struwelpeter — die Wunscherfüllung: nach Verbrennung Buschi die Einzige zu bleiben — die „Zensur”, wenn Paulinchen mit dem Buschi mitverbrennt — als unbewusster Selbstvorwurf wegen der Todeswünschung des zukünftigen Brüderleins