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Die Entwicklung der Psychologie tendiert immer mehr dahin, neben der „durchschnittlichen” Psyche auch ihre Varietäten und Differenzierungen, wie sie das wirkliche seelische Leben ausmachen, zu ergründen. Solcher Differenzierungen und Bereicherungen der Durchschnittsseele gibt es mannigfaltige, wie z. B. ihre kindliche Eigenart und Unentwickeltheit oder ihre krankhafte Entartung. Von besonderer Bedeutung ist der Unterschied zwischen der männlichen und weiblichen Psyche. Die vorliegende Schrift sucht diesen Unterschied zu charakterisieren, soweit er bisher namentlich durch das psychologische Experiment sich ermitteln liess.
Einige dieser Resultate seien referiert. — Frauen sind empfindlicher als Männer. So genügt bei Frauen ein geringeres Gewicht, um etwa auf dem Arm als Belastung wahrgenommen zu werden, als bei Männern; die unempfindlichste Person benötigte bei den Frauen 30, bei den Männern mehr als 40 mg. — Bei den niederen Sinnen wie Geschmack, Geruch und Hautsinn, die mit dem Gefühl engstens verknüpft sind, liegt die grössere Sensibilität auf Seite der Frauen, bei den höheren Sinnen dagegen, die für das Verstandesleben in Betracht kommen, auf Seite der Männer. — Bei der möglichst schnellen Beantwortung eines Reizes, z. B. eines Gesichtsreizes in Form des Aufleuchtens einer Geissler'schen Böhre durch Aufheben des rechten Zeigefingers, reagierten die Männer schneller und gleichmässiger als die Frauen. — Die Frauen machen mehr automatische, unwillkürliche Bewegungen als Männer. Ruhte z. B. der rechte Arm auf einem von der Decke herabhängenden horizontalen Brette, während die Hand mit einem Bleistifte so herabhing, dass der Stift ein Blatt Papier eben berührte, und wurden die Versuchspersonen gleichzeitig durch Fragen geistig beschäftigt, dann führten die Frauen öfter automatische Bewegungen mit dem Bleistifte aus als die Männer. —Auch haben die Frauen öfters Synästhesien.
Interessant sind einige der Assoziationsexperimente, insbesondere die „fortlaufende Assoziation”,