You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Auf einer Orientreise hatte der Autor Gelegenheit, genauere Studien an den Lipowanern in Bukarest und den Eunuchen in Konstantinopel zu machen. Als körperliche und geistige Eigenheiten führt er folgende an: Mangel an Individualität, grosse Sorgfalt auf das Äussere, Zoophilie, exzessives Längenwachstum in jüngeren Jahren, glanzlose, fahle, früh welkende Haut, Fehlen der Kahlköpfigkeit, hohe Kastratenstimme, tiefe Melancholie. Der Geschlechtstrieb sei zwar etwas vermindert, doch keineswegs erloschen, mindestens nicht bei später Verschnittenen. Erfolge der Verlust der Keimdrüsen erst im reiferen Alter, so verändere er den Geschlechtstrieb fast gar nicht. Die Tätigkeit des Sexual-Zentrums könne also nicht abhängig sein von den libidinösen Substanzen, die von den Testikeln in die Blutbahn abgegeben werden, vielmehr werde die jenes Zentrum reizende chemische Substanz — von Hirschfeld als „Andrin” bezeichnet — bereits vor der Pubertät in wenn auch geringer, doch keineswegs unwirksamer Menge abgesondert. Sie stamme hauptsächlich aus der Prostata, in geringerem Masse aus den Cowper'schen Drüsen und jenen der Samenbläschen. Beim Weibe seien unabhängig von der Ovarialsekretion chemische Substanzen, „Gynäzin”, anzunehmen als Produkte der Bartholini'schen und Schleimhautdrüsen der Gebärmutter, vor allem aber der Zervikaldrüsen. Dieser ganze Chemismus wirkte nur irritierend und anregend, nicht neuschaffend. Seine belebende Wirkung sei allerdings eine beträchtliche. Das hätten schon die alten Ärzte gewusst, die den blutarmen, nervösen, seelisch deprimierten Mädchen das Heiraten mit bestem Erfolge anrieten. „Andrin wirkt besser als Arsen.”
Dr. J. S.