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Der Mythus vom Doppelmenschen, von F. W. Beck (Frankfurter Zeitung).
Beck bespricht die alte Anschauung, dass der Mensch ehemals als doppelgeschlechtliches Wesen erschaffen wurde, von der Gottheit jedoch aus Besorgnis, der so geschaffene Mensch könnte zu grosse Macht erlangen, wieder in zwei verschiedene Teile getrennt wurde. Die Liebe sei demnach ein Versuch des Menschen, seine verloren gegangene Hälfte wieder zu finden und hierdurch unsere menschliche Schwäche zu heilen. Beck führt auch naturwissenschaftliche Tatsachen an, die die Doppelgeschlechtlichkeit als biologisch möglich erscheinen lassen. So weist er auf die gonochoristisch gebauten Infusorien hin, die zwei, geschlechtlich entgegengesetzte Körperhälften besitzen. Das „wundersame Doppeltier” (Diplozoon paradoxum) besteht aus zwei zwitterigen Saugwürmern, die kreuzweise zusammengewachsen sind. Ähnlich ist das Zwillingstier (Didymozoon paradoxum) gebaut. Diese Lebewesen sind, sagt Beck, ein tiefsinniges Symbol dafür, dass der enge Verband mit einem zweiten Individuum zum Retter aus Todesnot werden kann, denn der Einzelwurm, der unter dem Namen Diporpa schon früher bekannt war, geht zu Grunde, wenn er nicht zur Verwachsung mit einem gleichgearteten Partner gelangt. Beck führt nun die alten Mythen an, die sich mit dieser Materie beschäftigen und hebt das uralte „Gastmahl” Ratos hervor, in dem der Mythus vom Doppelmenschen am eingehendsten dargelegt ist. Auch die Iwaner lassen die beiden ersten geschlechtlich getrennten Menschen (Meschia und Meschiane) aus der Teilung eines Doppelkörpers hervorgehen und sogar Christus soll prophezeit haben: Der Übermensch werde kommen, wenn die zwei