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Mit Recht sammelt Rank Ereignisse des Tages, um sie psychologisch zu verwerten. Ist die Inzestregung des Neurotikers nur ein Gleichnis, ein als ob ist sie nur eine Form archaistischen Denkens? Die nachfolgende Begebenheit mag als ein kleiner Beitrag zum Problem gelten. Sie ist dem Neuen Wiener Abendblatt vom 30. November 1912 entnommen:
„Eine merkwürdige Familientragödie spielte sich dieser Tage in New-York ab. Mrs. Griffin, eine sechzigjährige Dame, hat ihren 40 jährigen Sohn Peter durch Leuchtgas getötet und nach vollbrachter Tat auf die gleiche Weise sich selbst den Tod gegeben.
Mrs. Griffin war es nicht gelungen, den festen Vorsatz ihres Sohnes, zu heiraten und einen selbständigen Haushalt zu gründen, zu erschüttern, und sie beschloss daher, lieber ihn und sich zu töten, als dass sie erlaubt hätte, dass eine andere Frau, sie ihres Rechtes, dem Haushalt ihres Sohnes vorzustehen, beraube.
Seit je waren die Beziehungen zwischen Mutter und Sohn die idealsten. Beide waren einander in zärtlicher Liebe ergeben, und der Sohn, als er bereits die hervorragende Stellung des Direktors eines Telegraphenbureaus erreicht hatte und von seinen Freunden zu einer Heirat gedrängt wurde, pflegte nur zu antworten, dass seine Mutter ihm mehr sei als die beste der Frauen. „Ich könnte nie erhoffen, verheiratet so glücklich und zufrieden zu sein, als ich es bin, ledig, unter der zärtlichen Fürsorge meiner Mutter.”
Vor kurzem jedoch verliebte er sich in ein junges Mädchen, und als die Mutter das wachsende Interesse des Mannes für die Dame, die versprochen hatte, seine Gattin zu werden, bemerkte, erfasste sie rasende Eifersucht und Verzweiflung.
Nachdem sie ihren Sohn ohne Erfolg gebeten und ihm Vorstellungen gemacht hatte, von der Heirat abzusehen, entschloss sie sich zu der entsetzlichen Tat. In der Nacht, als ihr Sohn schon schlief, nahm Mrs. Griffin den Gasschlauch und legte ihn, nachdem sie den Hahn geöffnet, auf ihres Sohnes Polster. Dann ging sie in die Küche und öffnete dort den Hahn de