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Derselbe Patient zeigte mir am vorhergehenden Tage eine Serviette, die er im Kaffeehause eingesteckt hatte und meinte, die Psychoanalyse habe ihn so aufgewühlt, dass er nun zum Diebe werden müsse. Sie habe die schlummernden, ewig begrabenen Instinkte in ihm geweckt. Er ist an diesem Tage im heftigsten Widerstand, ist um eine Viertelstunde zu spät gekommen, meint, er habe nichts zu berichten, er sei über die Krankheit des jungen Zaren so furchtbar aufgeregt. Ob nicht ein Attentat vorliege? Da fällt ihm plötzlich ein, als ich ihn aufmerksam mache, dass diese Erregung auf eine Phantasie seiner Kindheit zurückzugehen scheine: Ich wurde in der Kindheit vergiftet. Ein Apotheker gab mir Lysol statt Kindermeth. Ich nahm nur einen halben Kaffeelöffel und spuckte ihn sofort aus. Dann wurden viele Ärzte gerufen, ich soll bewusstlos gelegen sein und war aufgegeben. Ich wurde auch von Krämpfen hin- und hergeworfen. (Wahrscheinlich ein hysterischer Zustand.) Da es hoffnungslos war, liess meine Mutter einige fromme Männer rufen. Sie erklärten, in mir sei ein „Böser Geist”, der ausgetrieben werden müsse. Diesen bösen Geist nannten sie den „Diebek”. Es gelang ihnen bald den bösen Geist auszutreiben und ich wurde vollkommen gesund. Merkwürdigerweise habe ich keinerlei Narbe oder Striktur zurückbehalten. Doch was hat diese Erzählung mit meinem Diebstahl zu tun? Nun antwortete ich: Sie wollten eben beweisen, dass der „Diebek” noch in ihnen lebt und der jüdische Exorzismus ohne Erfolg geblieben ist …
In der Kindheit trug sich der Kranke mit allerlei aktiven kriminellen Ideen gegen seine Brüder herum. Die Vergiftung stiess auf einen empfindlichen Komplex und löste so den hysterischen Anfall aus.
Dr. W. B.