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In dem Werke: Leonardo du Vinci von Mereschkowski finde ich eine Stelle, die für Psychoanalytiker von durchscheinender Symbolik ist. Bei Leonardo der uns übrigens in psychoanalytischer Beleuchtung bekannt ist durch Freud: „Ein Kindheitserlebnis von Leonardo du Vinci”, finden wir bei vielen Neurotikern die Enthaltung des Geschlechtsgenusses symbolisiert durch die Enthaltung des Fleischgenusses. Nachdem er sich nicht entscheiden konnte, was Monna Lisa ihm
sein solle, ein lebensvolles Weib oder ein geistiges Wesen, erscheint sie zur letzten Zusammenkunft in seiner Werkstätte. Da heisst es:
Plötzlich schien ihm ein fremder Schatten eines ungebetenen, nicht von ihm eingeflössten, ihm unnötigen Gedankens ihr Gesicht wie ein Hauch auf der Spiegelfläche zu überfliegen. Um sie zu beschützen, sie wieder in seinen Zauberkreis zu bannen und den fremden Gedanken zu verscheuchen, begann er in halb singendem, halb befehlendem Tone, wie ein Zauberer seine Formel hersagt, eine der geheimnisvollen, rätselhaften Erzählungen, die er zuweilen in sein Tagebuch einzuschreiben pflegte:
In dem unwiderstehlichen Drange, neue, den Menschen unbekannte, von der kunstvollen Natur in langer Zeit erschaffene Bildungen zu sehen, erreichte ich auf einer Wanderung durch nackte, finstere Felsen den Eingang zu einer Höhle und blieb unentschlossen vor ihr stehen. Nachdem ich mich aber entschieden hatte, senkte ich den Kopf, krümmte den Rücken, legte die linke Hand auf mein rechtes Knie, beschattete mit der rechten meine Augen, um mich an die Dunkelheit zu gewöhnen, trat ein und machte einige Schritte. Mit hochgezogenen Brauen, zusammengekniffenen Augen, um die Sehkraft möglichst zu verschärfen, änderte ich öfter die Richtung und irrte, in der Dunkelheit herumtastend, bald hierhin, bald dorthin und gab mir Mühe, etwas zu erblicken. Aber die Dunkelheit war gross. Als ich einige Zeit in der Höhle verweilte, erwachten und kämpften in mir zwei Gefühle: Furcht und Neugierde. — Furcht vor der weiteren Durchfor