You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Obwohl mich zu dem folgenden Aufsatze hauptsächlich die verschiedenen Ansichten der einzelnen Forscher über die bei der Stottertherapie einzuschlagenden Wege veranlassten, so kann ich mir doch nicht ersparen, auch die Symptomatologie und Ätiologie des Übels zu besprechen. Denn erstens sind die Kenntnise dieser beiden Faktoren noch sehr wenig verbreitet und zweitens werden wir bei unserem therapeutischen Ansichten immer wieder auf einzelne symptomatologische und ätiologische Details hinweisen müssen.
Wir unterscheiden körperliche, nervöse und psychische Symptome des Leidens. Wenn ich nunmehr mit der Beschreibung der körperlichen Symptome, welche, wie vorausgeschickt sei, wohl ausschliesslich funktioneller Natur sind, beginne, so bin ich mir dessen bewusst, dass ich mich später werde bemühen müssen, die psychischen Grundlagen dieser Funktionsstörungen zu erklären. Denn solange ein Individuum lebt, ist jede körperliche Funktion gleichzeitig eine seelische und jede Beschreibung und Erklärung wird solange nicht erschöpfend sein, als sie nicht beiden Komponenten gerecht wird. Pathologische organische Erscheinungen bei Stotterern muss ich nach meiner Erfahrung lediglich als nebensächlich bezeichnen. Der Ansicht von Klencke, dass das Stottern auf skrofuloser Basis entstehe, kann absolut nicht beigepflichtet werden. Seine Theorie ist schon deshalb anzuzweifeln, weil er dem damaligen Stande der Wissenschaft gemäss die Skrofulose aus allen möglichen Symptomen diagnostizierte; eine blasse Hautfarbe, eine enge Brust, ja selbst eine unausgiebige Atmung führte er auf das Leiden zurück. Doch wäre seine Anschauung über das Wesen des Stotterns mit diesen Differenzen zwischen der alten und neuen medizinischen Auffassung und Terminologie allein nicht widerlegt. Hingegen muss mit aller Entschiedenheit betont werden, dass sich unter den Stotterern kein geringer Prozentsatz organisch Gesunder findet wie überhaupt unter den Menschen. Wer Klenckes Bücher gelesen hat, wird sich darüber wunder