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Die Bedeutung Nietzsche's für die Psychologie, Individualpsychologie und damit auch für die Psychotherapie soll in grösserem Zusammenhange darzustellen versucht werden. — Hier soll nur gezeigt werden, welche Stellung Nietzsche, dieser bedeutendste Psychologe, dem Gefühl der Lust und Unlust als treibendem Moment der Psyche zuerkennt, ja ob er Lust und Unlust überhaupt als bewegende Kräfte im psychischen Leben gelten lässt, und ob er nicht vielmehr — und mit welcher überzeugenden Fähigkeit der Argumentation — Lust- und Unlustgefühle als sekundär abhängig vom Primat des Willens zur Macht erkennen lehrt.
So sagt er: „Unlust” und „Lust” sind die denkbar dümmsten Ausdrucksmittel von Urteilen: womit natürlich nicht gesagt ist, dass die Urteile, welche hier auf diese Art laut werden, dumm sein müssten. Das Weglassen aller Begründung und Logizität, ein Ja oder Nein in der Reduktion auf ein leidenschaftliches Habenwollen oder Wegstossen, eine imperativische Abkürzung, deren Nützlichkeit unverkennbar ist: das ist Lust und Unlust. Ihr Ursprung ist in der Zentralsphäre des Intellekts; ihre Voraussetzung ist ein unendlich beschleunigtes Wahrnehmen, Ordnen, Subsummieren, Nachrechnen, Folgern: Lust und Unlust sind immer Schlussphänomene, keine „Ursachen”.
Die Entscheidung darüber, was Unlust und Lust erregen soll, ist vom Grade der Macht abhängig: Dasselbe, was in Hinsicht auf ein geringes Quantum Macht als Gefahr und Nötigung zu schnellster Abwehr erscheint, kann bei einem Bewusstsein grösserer Machtfülle eine wollüstige Reizung, ein Lustgefühl als Folge haben. Alle Lust- und Unlustgefühle setzen bereits ein Messen nach Gesamt-Nützlichkeit, Gesamt-Schädlichkeit voraus, also eine Sphäre, wo das Wollen eines Ziels (Zustandes) und ein Auswählen der Mittel dazu stattfindet. Lust und Unlust sind niemals ursprüngliche Tatsachen. In „Lust” und „Unlust” stecken bereits Urteile, die Reize werden unterschieden, ob sie dem Machtgefühl förderlich sind oder nicht.
Meine Theorie wäre: — dass der W