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Keineswegs verfügt der Normale immer über eine normale Sprache. Daher empfiehlt Liebmann (1), den stotternden Patienten anzuleiten, dass er die Sprache der Gesunden beobachte: „er wird dann bald finden, dass die Sprache der anderen gar nicht so gut sei, wie er immer angenommen habe, und dass ihr Hauptkunststück eigentlich darin bestehe, sich selbst durch wirkliches „Festsitzen” nicht aus dem Häuschen bringen zu lassen”. Allgemein bekannt ist, dass Angst, Schreck, Verlegenheit eine gestörte Sprache auch bei Normalen hervorrufen. „Man stammelt eine Entschuldigung!” Hier bedeutet Stammeln nicht den bestimmten in der Sprachheilkunde mit diesem Worte bezeichneten Sprachfehler, sondern überhaupt eine verstümmelte Sprache. Untersuchen wir nun diese verstümmelte Sprache beziehungsweise in die sie bestimmenden konditionalen Faktoren auf Grund von Selbstbeobachtungen und Beobachtungen anderer. Da hochgradiger Schreck, sehr intensive Angst einerseits seltener wirkende Faktoren sind, andererseits hochgradig lähmend auf die Sprache wirken, so dass oft nur abgerissene Brocken oder Naturlaute produziert werden, hingegen eine verstümmelte Sprache sich viel häufiger in Situationen findet, die durch irgend Verlegenheit charakterisiert werden, zu der allerdings eine — meist nicht hochgradige — Angt hinzutritt, so nennen wir diese Störungen: Verlegenheits-Sprachstörungen.
Wir haben also z. B. ein Gespräch zu führen mit einer Persönlichkeit, die aus irgend einem Grunde momentan höher bewertet wird. Sei es nun, dass sie durch Rang, Alter oder auch Machtbefugnis uns überragt, sei es nun, dass sie durch bedeutende Kenntnisse — bei eigener geringerer Sachkenntnis — uns überlegen ist, sei es, dass sie in einer uns momentan stark interessierenden Angelegenheit ausschlaggebenden Einfluss besitzt. Kurz, der Kräftestand ist ein ungleicher. Wir sind daher gezwungen, dem Gespräche unsere ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Da ist es denn ein wichtiges Charakteristikum, dass die Aufmerksamkeit geteilt w