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Wie bei der Gattenwahl1), so ist auch bei der Wahl der Freunde beim Neurotiker oft das Mitspielen unbewusster Elemente erkennbar. Einen Typus der neurotischen Freundschaft, der sehr verbreitet zu sein scheint, möchte ich hier schildern.
G., ein 22 jähriger Mann, der zur Analyse kam, hat zwei sehr verschiedene Freunde. Louis, der eine der Freunde, ist ein hochintelligenter Mensch, ein Self-made-man, der in vielen Kämpfen mit der Umgebung seiner Jugend, besonders mit seinem Vater, sich aus seinem Milieu herausgerissen hat. Er ist ein kühler Beobachter, ein Mensch, der im allgemeinen sich für andere nur so lange interessiert, bis er sie ganz zu kennen glaubt. Er ist sehr ehrgeizig, sucht überall die führende Rolle zu spielen, tut sich viel zu gut mit seiner Macht über andere, duldet wenig Widerspruch. Besonders schlecht hat er sich immer mit seinem Vater vertragen. Er ist Atheist, Nietzscheaner und macht daraus viel Wesen. Er spielt gern den Sexualhelden. — Adolf, der zweite Freund, ist ein ziemlich schüchterner, zurückgezogener Mensch, ein Verehrer seiner Eltern, ein Pflichtmensch, dabei ein leicht entflammbarer Ästhet, ein impulsiver Schönheitssucher; er ist anhänglich und treu, eine „reine Seele”, empfindsam und phantasiereich. — Louis und Adolf vertragen sich nicht.
G. selbst ist ein Zweifler, ein „Stimmungsmensch”, heute enthusiastisch und empfindsam, morgen skeptisch und wenig beweglich, heute euphorisch und morgen depressiv, heute Geniesser und morgen lebensmüde, heute ein Sparer und morgen ein Verschwender. Er ist wissensdurstig, aber er zersplittert sich. In einer frommen Familie aufgewachsen, ist er ein ewiger religiöser Zweifler. Er ist ein „Muttersohn”, der gegen den Vater sein Lebenlang die charakteristische Mischung von Ehrfurcht und Auflehnung empfand.
Zu dem Freunde L. steht G. im folgenden Verhältnis: Er empfindet für L