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Sehr häufig findet man bei verschiedenen Neurotikern das Bestreben, das künftige Schicksal durch Orakel zu erkunden. Die Analyse dieser Orakel gibt sehr interessante Aufschlüsse und zeigt, dass die Orakel psychisch determiniert sind und eine symbolische Sprache darstellen. Es ist also kein Zufall, wenn Herr X. Glück erwartet, wenn er nach zehn Schritten ein Mädchen treffen wird oder einem Soldaten begegnet usw.
Herr St. erzählte mir heute einen merkwürdigen Aberglauben. Er habe seinen Zigarrenstumpf in die Spuckschale werfen wollen und sich gedacht: Treffe ich hinein, so werde ich Glück haben, verfehle ich den Napf, so werde ich unglücklich .…. So die abergläubische Handlung. Er traf in die Mitte des Spucknapfes und empfand darob eine gewisse Befriedigung.
Die Erklärung dieses Phänomens wäre etwas schwierig, wenn der Patient mir nicht einen Traum erzählt hätte und ich seine geheime Affektivität nicht kennen würde. Er hatte in dieser Nacht geträumt: Ich war mit meiner Buchhalterin in verschiedenen Hotels und wir sind überall abgewiesen worden und sind unverrichteter Sache nach Hause gegangen.
Dieser Traum versucht die Lösung einer unerträglichen Situation. Er begehrt, ohne es zu wissen, seine Buchhalterin. Im Traume wird er in kein Hotel hineingelassen. D. h. er ist schon so weit, dass er mit ihr einig ist, die Intimität scheitert bloss an äusseren Hindernissen, und er kommt schliesslich heil nach Hause, ohne dass etwas vorgefallen wäre. Der Spucknapf im Geschäft ist also ein Symbol seiner Buchhalterin. Er hatte schon früher leichtsinnige Frauen und Dirnen mit einem Spucknapf verglichen, in den ein jeder hineinspucken könne …. … Er macht sie in seiner abergläubischen Vorstellung leichtsinnig. Die Phantasie heisst aufgelöst: Wenn ich die Buchhalterin besitzen könnte, so wäre ich glücklich. Der Patient bestreitet diese Deutungsmöglichkeit und sagt: Ich habe seit Wochen noch einen zweiten Aberglauben: Ich greife in meine Tasche, in der sich der Geschäfts- und der Wohnungss