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Von souveräner Verachtung aller nicht der Freudschule angehörigen oder nahestehenden Psychiater erfüllt, findet Sadger die ablehnende Haltung des Publikums gegenüber den von dieser Seite ausgegangenen Dichterpathographien vollauf berechtigt. Demgegenüber lebt er der Meinung, dass die im Freud kreis entstandenen Arbeiten über Künstler geradezu enthusiastische Aufnahme gefunden haben, während in Wirklichkeit gerade diese Schriften, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, bis weit in den Kreis der Freudschüler hinein mehr Beklemmung als Bewunderung hervorriefen. Den Pathographien wirft er mit Recht vor, dass sie das Hauptgewicht allzu einseitig auf das Aufstellen einer Diagnose gelegt hätten; er stellt ihnen, nicht sehr scharf umrissen und ohne auf die vorhandenen Vorarbeiten Rücksicht zu nehmen, das Programm einer „Psychographie” der dichterischen Persönlichkeit entgegen, die uns das Seelenleben des Künstlers in seiner Gesamtheit verständlich machen und vor allem zeigen soll, wie der Genius zu dem geworden, was wir heute bewundern, Gewissermassen als Probe aufs Exempel bringt er dann eine Analyse von Hebbel's „Judith”, die den zweiten und grösseren Teil seiner Arbeit bildet.