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Eine zirka vierzigjährige, sehr jugendlich aussehende, schöne Mutter bringt mir ihren achtzehnjährigen Sohn, der schon seit vier Wochen an quälendem Kopfschmerze
leidet. Der Kopfschmerz trat im Anschluss an eine Influenza auf. Alle bisher angewendeten Mittel erwiesen sich als vollkommen machtlos. Antipyrin, Phenacetin, Aspirin, Pyramidon, selbst Morphium konnten den unerträglichen Schmerz nicht einmal lindern. Schon dieser Umstand spricht für einen neurotischen Kopfschmerz. Immer wieder habe ich das wichtige differentialdiagnostische Symptom der Unwirksamkeit aller Analgetika bei den Formen neurotischen Kopfschmerzes finden können.
Die Mutter fährt in der Schilderung der Kopfschmerzen fort. „Der Junge jammert die ganze Nacht. Ich nehme ihn dann in mein Bett, und er beruhigt sich ein bisschen. Aber der Schmerz ist doch so gross, dass er nicht schlafen kann. Wir liegen dann beide die ganze Nacht fast schlaflos.”
Ich sehe ein, dass in diesem Falle die Trennung des Sohnes von der Mutter das wichtigste ist und empfehle sofortige Unterbringung des Jungen in einem Sanatorium, aber ohne Mutter.
Die Mutter willigt schweren Herzens ein. Ich ersuche sie, nach einigen Tagen zu mir zu kommen und mir über den Zustand ihres Sohnes zu berichten. Sie kommt nach einer Woche und berichtet, der Zustand solle sich allmählich bessern, der Sohn könne schon schlafen.
Nun halte ich ihr vor, dass man achtzehnjährige Söhne nicht ins Bett nehme und dass das Verlangen nach den Zärtlichkeiten der Mutter eine der Ursachen der Krankheit gewesen.
Sie protestiert aber energisch gegen die Zumutung, dass ihr Sohn schon ein erotisches Gefühl empfinden könne. Ihr Haus sei ein reines Haus, in dem die Kinder nie ein unanständiges Wort gehört hätten. Selbst der zwanzigjährige Bruder des Kranken sei noch vollkommen unschuldig und käme auch in der Krankheit in ihr Bett.
„Was hat man denn vom Leben, wenn man mit seinen Kindern nicht zärtlich sein darf? …” ruft sie gekränkt und entrüstet aus. Schliesslich liess si