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Möbius hat in seinem 1899 erschienenen, höchst bedeutsamen Buche über Schopenhauer, dessen treuer Verehrer er sich nennt, und dessen überragendem Genius er trotz aller sachlichen Kritik seine Huldigung darbringt, den Versuch gemacht, auch vom Standpunkte des Seelenarztes in das Innere der Eigenart und Wesenheit Schopenhauers einzudringen. Möbius sagt: „Wenn wir das Leben Schopenhauers überblicken, so treffen wir vier Zeiten starker Verdüsterung oder anhaltender Depression. Erstens die Zeit nach dem Tode des Vaters 1805, zweitens die Zeit, in der er seine Dissertation schrieb, 1813, drittens die Zeit in München 1823, viertens das erste Jahr in Frankfurt 1831/32.” Möbius weist dann noch auf einige Ausführungen von Gwinner hin, wonach Schopenhauer, wenigstens vorübergehend, an Angstzuständen und Zwangsvorstellungen gelitten haben könnte. — Ich glaube nicht, dass wir genügend gesicherte Mitteilungen besitzen, aus denen wir schliessen könnten, dass Schopenhauer etwa an wiederholten Anfällen einer echten melancholischen Gemütskrankheit gelitten habe. Auch dürften die in den Aufzeichnungen von Gwinner mitgeteilten Angstzustände sicherlich keine bleibende und nachhaltige Rolle im Seelenleben Schopenhauers gespielt haben. Aber selbst, wenn wir wirklich annehmen müssten, dass Schopenhauer zu verschiedenen. Zeiten seines Lebens von einer echten Melancholie heimgesucht war, so dürfte jede weitere Erörterung darüber überflüssig sein, ob Schopenhauer, wie dies von anderer Seite in völlig haltloser Weise behauptet wurde, als Geisteskranker anzusehen wäre. Die geniale und unsterbliche Leistung unseres Philosophen, sein Jahrhunderte überdauerndes Lebenswerk, ist die Frucht eines im innersten Gefüge einzigartig angelegten Menschen, an dessen Wurzel nicht der Nagewurm einer heimtückischen Krankheit frass.
Wohl aber verlohnt es sich, den Triebkräften im Seelenleben unseres Philosophen nachzugehen, die dank einer genialen Veranlagung zu herrlicher Entfaltung und fruchtbringender Betätigu