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(Vortrag, gehalten im September 1912)
Ein uraltes Problem, das bis an die Völkerwiege zurückzuverfolgen ist. Narren und Weise haben sich daran versucht, Könige und Bettler wollten die Grenzen ihres Welterkennens durch Traumdeutung erweitern. Wie entsteht ein Traum? Was ist seine Leistung? Wie kann man seine Hieroglyphen lesen?
Ägypter, Chaldäer, Juden, Griechen, Römer und Germanen lauschten der Runensprache des Traumes, in ihren Mythen und Dichtwerken sind vielfach die Spuren ihres angestrengten Suchens nach einem Verständnis des Traumes, nach seiner Deutung eingegraben. Immer wieder wie eine bannende Gewalt scheint es auf allen Gehirnen zu liegen: der Traum kann die Zukunft enthüllen! Die berühmten Traumdeutungen der Bibel, des Talmud, Herodots, Artemidorus, Ciceros, des Nibelungenliedes drücken mit unzweifelhafter Sicherheit die Überzeugung aus: der Traum ist ein Blick in die Zukunft! Und alles Sinnen geht den Weg, wie man es wohl anfinge, den Traum richtig zu deuten, um Zukünftiges zu erspähen. Selbst bis auf den heutigen Tag wird der Gedanke, Unwissbares erfahren zu wollen, regelmässig mit dem Nachdenken über einen Traum in Verbindung gebracht. Dass unsere rationalistisch denkende Zeit äusserlich ein solches Streben verwarf, die Zukunft entschleiern zu wollen, es verlachte, ist nur zu begreiflich, machte es auch aus, dass die Beschäftigung mit den Fragen des Traumes den Forscher leicht mit dem Fluch der Lächerlichkeit behaften konnte.
Nun soll vor allem, um den Kampfplatz abzustecken, hervorgehoben werden, dass der Autor keineswegs auf dem Standpunkt steht, der Traum sei eine prophetische Eingebung und könne die Zukunft oder sonst Unwissbares erschliessen. Vielmehr lehrt ihn seine umfängliche Beschäftigung mit Träumen nur das eine, dass auch der Traum, wie jede andere Erscheinung des Seelenlebens mit den gegebenen Kräften des Individuums zustande gebracht wird. Aber im gleichen Augenblick taucht da eine Frage auf, die uns darüber belehrt, dass die Perspektive auf d