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Adler gibt eine gute Übersicht über seine Neurosenlehre. Er geht von der Minderwertigkeit der Organe aus und dem daraus erwachsenden Kompensationstendenzen. Der Kranke leide an „Aggreasionshemmungen” und, was man die Disposition der Neurose nenne, sei bereits die Neurose. Der Kranke benötigt immer wieder Krankheitsbeweise, die ihm als Vorwände dienen, wenn das Leben die ersehnten Triumphe verweigert, ferner um die Entscheidungen hinauszuschieben, und das Erreichte zu unterstreichen, d. h. als grosse Leistung zu werten. Der Kranke bedarf des fiktiven Leitzieles und gewisser Leitlinien, Richtungslinien, die er prinzipiell geradezu wörtlich verfolgt.
Er schafft sich Sicherungen und trägt alle Ereignisse in sein Hilfschema „Oben … Unten … Männlich … Weiblich … ein. Das Symptom ersetzt die nervöse aufgepeitschte Gier nach Überlegenheit. Diese Symptomsprache zu verstehen, das ist für Adler die Hauptaufgabe der psychotherapeutischen Kur geworden.
Zwischen dem unterstrichenen Minderwertigkeitsgefühl und der Gottähnlichkeit spannt sich der Lebensplan der Neurose. Der einzig feststehende oder fixiert gedachte Punkt ist das Persönlichkeitsideal. Er schlägt die Formel vor: Einschätzung und Arrangement, das aus Erlebnissen, Charakter, Affektivität und Symptomen zusammengesetzt ist, geben das Persönlichkeitsideal.
„Die Aufdeckung des neurotischen Systems oder Lebensplans ist der wichtigste Bestandteil der Therapie. Denn er kann in seiner Gänze nur erhalten bleiben, wenn es dem Patienten gelingt, ihn seiner eigenen Kritik zu entziehen. Der teilweise unbewusste Ablauf des neurotischen, der Wirklichkeit widersprechenden Mechanismus erklärt sich vor allem aus der unbeirrbaren Tendenz des Patienten, ans Ziel zu kommen. Der Widerspruch mit der Wirklichkeit’ in diesem System hängt mit den geringen Erfahrungen und mit den andersartigen Beziehungen zusammen, die zur Zeit der Errichtung des Lebensplanes — in der frühen Kindheit — wirksam waren. Die Einsicht und das Verständnis für diesen Plan