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An diesem Buche kann kein Psychoanalytiker achtlos vorübergehen. Man kann sich zum Thema des Inzests stellen wie man will, ihn als echt, als arrangiert, als Archaismus auffassen, das reiche Material, das der enorme Fleiss und die stupende Belesenheit von Rank vor uns ausbreiten, bedarf der eigenen Nachprüfung. Wenn wir auch nicht mit allen Ausführungen Rank's einverstanden sind, so muss man ihm doch zugeben, dass er immer geistreich, anregend, und immer bemüht ist, das grosse Gebäude der Freud'schen Neurosenlehre zu stützen und zu pölzen, selbst an Stellen, an denen der Bau bedenklich wackelt. In der Frage des Inzestes ist Freud in Rank ein gewaltiger Mitstreiter erwachsen, dessen Stimme nicht überhört werden darf …. Wenn aber Rank sagt:
„In diesem Buche wird an einem eng umgrenzten Material der Versuch gemacht, auf völlig neuer Grundlage und von ungewohnten Gesichtspunkten aus, Einblicke in die innerste Struktur des Kunstwerkes und in die Bedingungen sowie in die Vorgänge des dichterischen Schaffens zu gewinnen. Wie schon das Titelblatt anzeigt, handelt es sich nicht um eine literarhistorische Untersuchung, sondern vorwiegend um psychologische Probleme, …. deren Verfolgung aber nicht nur für den Psychologen im engeren Sinne, sondern in gleicher Weise für den Literarhistoriker, Mythologen, Kultur historiker, Ethnologen, Kriminalisten und nicht zum wenigsten auch für den produzierenden Dichter selbst von Interesse sein mass ….” so übertreibt er. Denn die Gesichtspunkte sind weder völlig neu noch ungewohnt. Im Gegenteil! Jede Woche wird jetzt einem armen Dichter nachgewiesen, dass er an seiner Mutter fixiert war, womit manche Analytiker eine psychologische Grosstat vollbracht zu haben glauben. Mit diesen Nachbetern und Hyänen des analytischen Schlachtfeldes darf Rank nicht in eine Reihe gestellt werden. Hätte er noch die Unabhängigkeit des freien Forschers, hätte er sich schon vom Schüler zum eigenen Meister gewandelt, wir würden sicherlich von ihm viel lernen