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Kurz vor seinem Tode begann Leonardo ein eigentümliches Bild zu malen:
„Unter einem Vorsprung überhängender Felsen, im kühlen Schatten, unter blühenden Gräsern sass mit übereinander geschlagenen Beinen der rebenumkränzte Gott, der langhaarige, frauenhafte Dionysos mit blassem und abgespanntem Gesicht, mit dem Pantherfell über den Schultern und dem Thyrsososstab in den Händen. Gesenkten Hauptes lauschte er, gespannt, erregt, mit dem Finger auf die Richtung weisend, woher die Töne kamen, — vielleicht dem Gesang der Mänaden, dem entfernten Donner oder der Stimme des Gewaltigen, vor der alles Lebendige in Schrecken floh.” Unter der Symbolik der Örtlichkeit erkennen wir die weiblichen Genitalien. Nur einmal in seinem Leben hat Leonardo an dieser Örtlichkeit geweilt: bei seiner Geburt. „Langhaarig, frauenhaft” deutet auf Leonardo. Der Finger, das männliche Glied, weist die Richtung, woher die Töne kommen. Aber nie war er der Richtung gefolgt. „Gespannt und erregt” hatte auch er die Töne vernommen, die sein ganzes späteres Leben durchzitterten. In jener Mondscheinnacht vor dem Abschied von Monna Lisa waren sie erklungen: „Wer fröhlich sein will, nutze die Stunden”. Wie ein Ruf des Schicksals erklang ihm der Vers. Er wusste, er müsse wählen zwischen der lebenden und der unsterblichen Monna Gioconda. Aber sein Wille war ohn mächtig, er konnte sich nicht entscheiden. — Der Donner deutet auf seinen Vater — Bacchus war der Sohn des Donnerers Zeus. „Die Stimme des Gewaltigen, vor der alles Lebendige in Schrecken floh” erinnert an seinen Grossvater, vor dessen Zorn über den unehelichen Enkel Leonardo in seiner Kindheit fliehen musste. Bacchus erscheint den Menschen als ein Fremdling aus Indien. Pentheus, der König von Theben, lässt ihn festnehmen und will ihn hinrichten lassen, weil er unter dem Scheine neuer, bacchantischer Weisheit den Menschen barbarische Geheimnisse, den Wahnsinn blutdürstiger, wollüstiger Orgien lehrte. Auch Leonardo ist sein Leben lang ein Fremdling unter de