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Ich glaube von Hebbel stammt der Satz: Unsere Tugenden sind die Bastarde unserer Laster. Die Psychoanalyse hat uns das Verständnis der Tugenden gelehrt. Wir wissen, wie die ursprünglich kulturwidrigen Triebe durch Überkompensation in soziale Faktoren verwandelt werden. Dass sich der Sadismus bei Kindern zuerst in Form von Tierquälerei äussert, ist eine Beobachtung, welche alle Kinderforscher bestätigen. Aus diesen Tierquälern werden dann die überempfindlichen Tierfreunde, die kein Tier quälen sehen können.
Der Gründer des „Wiener Tierschutzvereines” war der bekannte Dichter Castelli. In seinen Memoiren1) erzählt er, wie er ein Tierfreund wurde. Diese Erzählung bestätigt unsere in der Psychoanalyse gewonnenen Erfahrungen.
Er war als Kind ein grosser Tierquäler, er schoss aus seinem Blaserohr mit Erbsen nach gefangenen Kanarienvögeln, er rupfte ihnen die Federn aus und steckte sie sich auf den Hut und vollführte ähnliche Streiche mehr. Die Prügel vom Vater, die er bekam, blieben ohne Eindruck, aber eine frei erfundene Tiergeschichte der Mutter, ein Märchen, das sie ihm erzählte und womit sie ihn so erschütterte, dass er bitterlich weinte, die heilte sein grausames junges Herz. Die Mutter erzählte ihm, es hätte einmal einen wilden Knaben gegeben, der niemand gehorchte und ein liederlicher Junge wurde. Er hatte nichts auf Erden lieb als die Tiere, mit denen teilte er sein Brot, die schützte er, wo er konnte. Er wurde ein Lump, ein Betrüger, er starb im Gefängnis und die ewige Verdammnis war ihm gewiss. Aber als er vor Gottes Richterstuhl erschien, um sein fürchterliches Urteil zu vernehmen, da kamen alle Tiere, alle, alle aus der weiten Welt, die Vögel aus den Lüften, die Bären aus dem Walde und die Mäuslein, die er noch im Gefängnis gefüttert, aus ihren Löchern und baten Gott um Gnade für ihn, ihren Freund. Und um dieser einen guten Eigenschaft willen verzieh Gott ihm alle seine Verbrechen.
Castelli gesteht, dass sich von dieser Stunde an eine völlige Umwälzung in ihm vol