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Ein Arzt erzählt mir, dass er eine besondere Libido empfände, wenn Frauen seinen sexuellen Akten zusehen. Dagegen könnte er die Anwesenheit eines Mannes nicht vertragen. „Die Gegenwart eines anderen Mannes — sagt er — macht mich ganz potent!” — Er wollte sagen „impotent” und verbessert sich sofort. Aber er hatte seine homosexuelle Komponente verraten.
Ein Patient trifft einen Herrn Schild, dem er vor einigen Jahren eine Kleinigkeit im Tarok schuldig geblieben ist. Aber sein Geiz äussert sich gerade bei solchen Gelegenheiten, während er sonst einen noblen grosszügigen Charakter zeigt. Er begrüsst den Herrn Schild mit „Guten Morgen, Herr Schuld!”
Ein Herr hatte in seiner Jugend ein Verhältnis mit einer Gouvernante, das unangenehme Folgen hatte. Die Geliebte gebar ihm Zwillinge, um deren Wohl sich sein Vater kümmerte. Der Vater hatte ihm einmal flüchtig mitgeteilt, dass die Kinder gestorben seien. Er hörte diese Nachricht gerne, aber zweifelte im Innern an ihrer Wahrheit…. Er wurde neurotisch und dieser Gedanke erwies sich als ein Träger seines schweren Schudbewusstseins. Er sprach von der Jugendgeliebten und sagte: Die Dame von der meine Kinder stammen — pardon stammten …
Ich werde von einer klerikalen Zeitung aufgefordert einen Beitrag für ihr Feuilleton zu schicken. Ich sträube mich in Gedanken dagegen, habe aber gute Gründe dem liebenswürdigen Redakteur gefällig zu sein. Ich suche eine alte Arbeit hervor, einen Ladenhüter, wie es in der Schriftstellersprache heisst, und sende ihn ab, mich innerlich wurmend, eine klerikale Zeitung als Stätte der Publikation zu benützen. Aber was schreibe ich auf das Kuvert? An die „Redaktion der N. N. Zeitung”.
Dr. Wilhelm Stekel.