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Tolstoi spricht: „Die meisten Menschen, die man bös und schlecht nennt, sind solche nur dadurch geworden, dass sie ihre Verstimmungen, als einen natürlichen,
gesetzmässigen Zustand angenommen haben und dem letzteren hingebend, keine Willensbemühungen — sich von diesem Zustande zurückzuhalten — angewendet haben.”
Mit diesen Worten wird recht klar ein psychisches Phänomen dargestellt, wie wir es in den Äusserungen, vor allem der neurotischen Seele immer beobachten können.
Am ersten Plan — die tendenziöse, notwendige (meistens unbewusste) Konstruktion der Verstimmung, des Symptoms, als ein brauchbares Mittel zur Erreichung des halluzinierten Endzweckes und dann — nach dem Selbsteinfühlen in die konstruierte Situation — ein Kampf gegen die etwa stabilisierte psychische Konstellation. Der Kampf aber — von rationalistischen, ethischen etc. Hilfsmitteln begleitet, verbirgt in sich nichts anderes, als einen weiteren Beweis für die Existenz der gegensätzlichen, in diesem Falle, sadistischen Komponenten, abgesehen davon, dass sich solch ein Kampf als ganz vergebens und unnütz erweist.
Bei Tolstoi können wir diesen Kampf in seinem Leben und Werke genau verfolgen. Was die Einstellung Tolstois in den letzten Jahrzehnten seines Lebens betrifft, so sehen wir da bloss einen Kunstgriff, indem er, vermittelst eines pseudo-masochistischen Arrangements, seine Dogmen über „Widerstandslosigkeit dem Bösen gegenüber” (Christuspositionannahme!) befestigen wollte, die, augenscheinlich einen bewussten, freiwilligen Kampf mit den subjektiven, unbewussten sadistischen Trieben darstellt. — Aus diesem kurz skizzierten Falle ist es nicht zu schwer die Ambivalenz der äusseren Formen der Geistesfunktion und, zur gleichen Zeit, das einheitliche Bild des wahren Strebens, Wollens. des unbewussten Imperativs zu ersehen. — Scheint es danach nicht wirklich so, als ob Tolstoi, die sichtbare Rolle eines Propheten, eines Predigers für das Gute, für „Liebe zum Nächsten” usw. aufnehmend — im Realen ein ausgeprä