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Nachdem an einem Morgen meine Frau umsonst nach dem Nachttopf meines 5 ½ jährigen Töchterchens gesucht hatte, wurde es selbst nach dessen Verbleib gefragt. Es holte den Topf hinter dem Ofen hervor und erklärte: „Ich habe ihn versteckt, damit Ihr ihn nicht ausleert. Dann mache ich immer mehr hinein, und dann wird er immer voller. Er soll einmal so voll werden wie der Eurige.”
Als ich dasselbe Töchterchen einmal aufforderte, mir einen Traum von der Nacht zu erzählen, erwiderte es: „Aber Papa, ich hab’ es Dir doch schon einmal gesagt, dass ich gar nie träume. Ich sehe nur Bilder in der Nacht.”
Eines Tages muss ich zu einem Vorschlag der gleichen Tochter Stellung nehmen: Wenn sie grösser sei, möchte sie mich einmal heiraten. Ich versuche mit Schonung ihr die Gründe klar zu legen, weswegen ihr Plan nicht ausgeführt werden könne. Sie verlässt mich in nachdenklicher Resignation. Einige Tage später kommt sie leuchtend zu mir: „Wenn ich Dich schon nicht heiraten darf, dann will ich wenigstens einmal den Bubi (ihren 2 ½ jährigen Bruder) heiraten.” Als ich auch diesmal mit Gründen ihre Hoffnung zertrümmere, senkt sich ihr Köpfchen schmerzlich. Wieder ein paar Tage und jubelnd stürmte sie in mein Arbeitszimmer: „Papa, ich kenne einen Buben, der heisst Julius, den werde ich heiraten. Ich will einmal nur einen Julius heiraten.”
Mein 2 ½ jäbriges Söhnchen hörte seine Schwester öfters das „Vater unser” beten. Eines Abends wollte auch es beten und legte dann los: „Unser Vater — du bist schuld — bitte, gib mir Brot.”
Julius Niedermann.