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Ursprünglich hatte ich vor, diesem Thema, das mir seit Monaten im Kopf herumging, den anspruchsvollen Titel einer „Lehre von den Perversionen” zu geben. Ich bin davon zurückgekommen aus begreiflichen Gründen und begnüge mich mit einer bescheideneren Überschrift. Je jünger eine Wissenschaft ist, um so mehr muss man sich davor hüten, Abschlüsse geben zu wollen. Ein theoretisches Blinkfeuer ist hier wertvoller, als eine fertige Doktrin.
Es darf in jeder Wissenschaft als ein Fortschritt gelten, wenn man in die Lage kommt, eine willkürliche Definition einer Einzelerscheinung durch eine andere zu ersetzen, die aus den Tatsachen stammt und uns von diesen aufgenötigt wird. In der Sexuologie und der sich daran anschliessenden Neurosenlehre steht der Begriff der Perversionen fast in der Mitte, und doch muss man von ihm sagen, dass er in der Luft herumflattert und der Willkür noch in hohem Maasse preisgegeben ist. Der eine nennt dies eine Perversion, der andere das, der eine nimmt die Grenze des Perversen und des sogenannten Normalen hier an, der andere dort.
Was bisher das Festlegen einer sowohl für die Sexualtheorie, als auch für die therapeutische Praxis wertvollen Begriffsbestimmung von „Perversion” gehindert hat, das ist einerseits die Lehre vom „normalen Sexualziel”, andererseits der Krankheitsbegriff. Man hört noch überall bei Ärzten wie bei Laien das Wort „normales Sexualziel”, und die Art, wie es betont und wichtig genommen wird, lässt dann die Vermutung kommen, als ob es sich hierbei um ein von der Natur autoritativ festgelegtes Ziel des sexuellen Wollens handele, nachdem alle Menschen mit Notwendigkeit streben, wie etwa alle irdischen Körper nach dem Mittelpunkte der Erde; ein Ziel, dessen Verfehlung oder Erreichung die Menschen objektiv in Kranke und Gesunde einteilt. Aus welchem Grunde ich die Existenz eines solchen objektiv gültigen „normalen Sexualzieles” bezweifle, möchte ich hier nicht ausführen, man gestatte mir nur, dass ich zum Zwecke dieser Arbeit an seine S