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Ein durchaus irreführender Titel, denn nicht um eine Darstellung der bestehenden Theorie handelt es sich, sondern die Arbeit stellt in ihrem ganzen Umfang eine Polemik gegen die Freud'schen theoretischen Anschauungen dar und verbindet damit den Versuch, eine neue Theorie an ihre Stelle zu setzen. Jung ist es schwül geworden in der wissenschaftlichen Vereinsamung, die die Paradoxien Freud's um seine Schule verbreiteten, und nun will er versuchen, mit der Wissenschaft
seinen Frieden zu machen (S. 319). Er ist sich allerdings darüber klar, dass ein solcher Friede bezahlt werden will und so räumt er so gut wie alle Freud'schen Positionen und behält sich nur die militärischen Ehren des Abzugs vor. Die Fahne „Libido” schwingend, sucht er ein Neuland zu erreichen, ohne zu bemerken oder bemerken zu wollen, dass dort schon vor ihm ein anderer festen Fuss gefasst hat.
In seiner Polemik gegen Freud lassen sich zwei Hauptrichtungen unterscheiden. Die eine ist schon aus Jung's letzter Arbeit „Wandlungen und Symbole der Libido” bekannt und wendet sich gegen Freud's Auffassung der Sexualität. Nur geht er hier mehr ins Detail und zerpflückt insbesondere den Begriff der polymorphen Nervosität des Säuglings. Dem Ödipuskomplex wird die zentrale Bedeutung abgesprochen und überdies bezeichnet Jung diesen Terminus als „so unpassend wie möglich” (S. 368). Dem jüngsten Lieblingskinde Freuds, dem Narzissmus, widmet er überhaupt kein Wort der Beachtung.
Die andere Seite seiner Kritik kleidet sich in eine Darstellung der historischen Entwicklung von Freud's Neurosenlehre. Auf die Traumatheorie, die Jung bizarrerweise als eine reine Dispositionstheorie auffasst, die den Einfluss des Milieus gar nicht berücksichtige, sei eine gewissermassen „historische” Auffassung der Neurose gefolgt, welche die Ursache einer Neurose direkt aus den Einflüssen des infantilen Milieus ableiten möchte. Diese Darstellung von Freud's Entwicklung ist sicher lückenhaft und unrichtig. Sie übersieht vollkommen, welche au