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Kirchhoff, der längst bekannte Historiker der Psychiatrie, gibt in dem vorliegenden Buche eine Geschichte der Psychiatrie, die aber leider nur 48 Seiten umfasst. So interessant auch die Schrift ist, besonders die Behandlung des Altertums und der Entwicklung der Irrenanstalten, so wird beim Lesen doch immer wieder der Wunsch rege, von dem vielbelesenen Autor ein grösseres Werk zu besitzen, dem auch Illustrationen und Quellenzitate nicht fehlen dürften.
Im 2. Teil des vorliegenden Buches gibt Gross, der Direktor der Anstalt Rufach im Elsass, ein Werk das sich ebensosehr auszeichnet durch den weiten Blick über das Ganze wie durch das sorgfältige Eingehen auf die anscheinenden Kleinigkeiten eines Anstaltsbetriebes. Wenn es auch nicht im Plan des Buches liegt, viel Neues zu bringen, so findet sich darin doch manche Anregung, für die man dem Autor zu Dank verpflichtet ist. So tritt er z. B. entgegen der immer wiederholten Forderung der „zellenlosen Behandlung,” für die Anwendung der „Separierung” in gewissen Fällen ein, sicher mit Recht. Bedauern muss mim, dass G ross dem kolonialen Anstaltstypus (Alt - Scherbitzer Typus) aus finanziellen Rücksichten das Grablied singen zu müssen glaubt. Die Psychoanalyse kommt leider in dem Werke schlecht weg: sie wird nur kurz erwähnt und unter Berufung auf Anton, v. Strümpell und Aschaffenburg ad acta gelegt. Glücklicherweise bringt der Bleuler'sche Band des Handbuches in diesem Sinne eine Ergänzung zu dem Thema der allgemeinen Therapie der Psychosen.
Dr. Rorschach.