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Die Auffassung der „Finalisten”, nach der die Mutterliebe ein einheitlicher Instinkt ist, der der Arterhaltung dient, wird bekämpft. Die Mutterliebe ist nicht ein einheitlicher Instinkt mit einem bestimmten Zwecke, sondern entsteht erst aus dem Zusammenwirken der verschiedenen Impulse und Tendenzen, die selbst aus verschiedenen Quellen stammen, aber alle kausal erklärt werden können. Es werden also die einzelnen Handlungen, die man als Ausdrucksformen der Mutterliebe auffasste, einzeln zu erklären versucht. Unter anderem wird behauptet, das Bebrüten der Eier entstehe aus einem Bedürfnisse nach Wärme bei dem fiebernden, eierlegenden Weibchen, das im warmen Neste und durch die angenehme Wärme, die das Ei ausstrahlt, befriedigt wird. Aus dem engen Zusammenwohnen von Mutter und Jungen entsteht nach dem Prinzipe der Einfühlung im mütterlichen Tier eine Art von Mitfühlen des Hungers etc., das das Tier zwingt, für die Jungen die Nahrung zu besorgen und die sonstigen Bedürfnisse der Jungen zu befriedigen.
Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern bei den Menschen sind hingegen in erster Linie aus sozialen Ursachen zu begründen, so erklärt sich zum Beispiel die ehemals verbreitete Tötung von neugeborenen Töchtern aus der sozialen Unbrauchbarkeit der Frauen in gewissen Perioden, ebenso wie umgekehrt der Wunsch nach Kindern, die Wertschätzung der Nachkommenschaft etc. aus den ökonomischen Werten, die die Arbeitskraft zahreicher Kinder repräsentieren. Diese Erscheinungen resultieren also zum grossen Teile als Funktionen der jeweiligen sozialen und ökonomischen Struktur, während die Mutterliebe als einheitlicher Instinkt mit dem ihm innewohnenden Arterhaltungszweck nicht anerkannt wird.
Gaston Rosenstein.