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Das zuletzt erschienene, von Dr. A. Adler herausgegebene Werk, F. Asnaourows enthält eine Fülle sehr prägnanten und lehrreichen Materials aus dem Gebiete der Psychopathologie. Eine Anzahl von treffenden und höchst interessanten neurotischen Erscheinungen (hauptsächlich an jugendlichen Individuen) wird vor unsern Augen auch in Einzelheiten demonstriert. Der Verfasser, als berufsmässiger Erzieher und Pädagoge, bestrebt sich mit vollem Recht bei der Erziehung der ihm anvertrauten Zöglinge die psychoanalytischen und psychotherapeutischen Ergebnisse anzuwenden. — Nach unserer Meinung kann er vorläufig die erwünschten erzieherischen, resp. therapeutischen Erfolge kaum in vollem Masse erzielen, weil eben der neurotische Seelenmechanismus vom Verfasser nicht bis zum Grunde erforscht ist. Daher mehrere Widersprüche in den Erklärungen neurotischer Phänomene, daher ein gewisses Schwanken in den wissenschaftlichen Prinzipien (Adler's, Freud's, Stekel's, Janet's, Forel's, Dubois’ usw.). Um nicht unbegründet zu sprechen, wollen wir den Versuch machen, aus der Schrift das Material für die Bestätigung unserer Meinung zu gewinnen.
Schon der Titel selbst gibt uns Anlass zu gewissen Zweifeln: „Sadismus, Masochismus in Kultur und Erziehung”. Es scheint uns, seitdem wir die Adlerschen Begriffe angenommen und dieselben auf ihre Richtigkeit geprüft haben, fehlerhaft, über Masochismus im allgemeinen, als irgend einer Perversion etc., zu sprechen. Da man „Perversion” nur als Arrangements auffassen könnte, dürfte man eine derartige Terminologie nur nach einer richtigen Definition des Grundsinnes der betreffenden Mechanismen verwenden. Im weiteren werden wir uns bemühen, den Beweis zu erbringen, dass F. Asnaourow eben der tiefste Sinn der von ihm angeführten symptomatischen, sichtbaren Erscheinungen entgangen ist, so dass seine Ausführungen oft den Eindruck einer ganz oberflächlichen primitiven Analyse machen. In zahlreichen Fällen berichtet uns der Verfasser von „masochistischen” Trieben sein