You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Zu den rätselhaftesten Erscheinungen der Sexualpathologie gehört wohl das Phänomen des Fetischismus, von dessen allgemeiner Verbreitung und Bedeutung wir wohl noch immer keinen rechten Begriff haben. Wir kennen das Variationsbedürfnis des Normalmenschen und wissen, dass er trotzdem an gewisse Liebesbedingungen gebunden ist. Die individuelle Form der Geschlechtsliebe wird bei jedem Menschen durch eine Art von Fetischismus bestimmt. Jeder einzelne bevorzugt gewisse Eigenschaften seines Sexualobjektes, ja sie sind für ihn geradezu die Liebesbedingung. Hand, Fuss, Ohr, Stimme, Augen, Teint, Geruch, Busen und andere Körperteile sind immer „Fetische” gewesen. Man nennt sie normale Fetische. Zu pathologischen werden sie erst, wenn sie das ganze Wesen in den Hintergrund drängen und die Funktion des Liebesobjektes übernehmen. Z. B. wenn ein Liebender sich mit dem Schuh des Weibes begnügt und ihm der Besitz des Weibes dabei Nebensache, ja in vielen Fällen sogar störend und überflüssig wird. Ich sagte der Besitz des Weibes und hätte mich fast auf den Standpunkt vieler Autoren gestellt, wie z. B. Moll, der nicht berücksichtigt, dass es auch einen homosexuellen Fetischismus gibt. Ja nach meinen Erfahrungen ist er sogar das Ende eines jeden Fetischismus, dessen tiefstes Wesen sich eigentlich restlos als ein Abrücken vor dem Weibe, eine Flucht vor dem Weibe erklären lässt1). Immer geht der Fetischismus mit einer Entwertung des Weibes vor sich, gleichgültig aus welchen Ursachen. Ähnlich in den spärlichen Fällen von weiblichem Fetischismus, die ich zu beobachten Gelegenheit hatte. Hier tritt eine Entwertung des Mannes ein, und das Bestreben, eine Art der Sexualbefriedigung zu finden, welche den geschlechtlichen Partner überflüssig macht. Meist liegt jene wichtige Erscheinung zugrunde, welche Alfred Adler die „Furcht vor dem geschlechtlichen Partner” genannt hat. Diese Furcht spielt in dem Kampfe der Geschlechter eine grosse, ja eine überragende Rolle und wirft manches Licht auf manc