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Es sind zwei Problemgruppen — eine formal- und eine individualpsychologische —, die sich an die ersten Kindheitserinnerungen knüpfen. A priori würde man erwarten, dass das Gedächtnis, wenn es die Kontinuität der Vergangenheit durchlaufen soll, zuerst äusserst verschwommene und unsichere Erinnerungen produziert und zu immer deutlicheren und klareren fortschreitet. Eine solche Erfahrung würde auch der Theorie des psycho-physischen Parallelismus, wie überhaupt jeder Erklärung der Gedächtniserscheinungen entsprechen, die als Ursache oder Parallelphänomen der Erinnerung ein Engramm im nervösen Zentralorgan ansieht. Denn es ist klar, dass die älteren Engramme irgendwie schlechter erhalten sein müssten als die jüngeren.
Eine reiche Erfahrung, die von den meisten Autoren bestätigt wird, hat uns aber gezeigt, dass diese aprioristische Erwartung durch die Tatsachen widerlegt wird. Zwar trifft es zu, dass aus dem Kindesalter nur wenige Erinnerungen produziert werden und besonders jene Ereignisse, denen objektive Bedeutung für die kindliche Entwicklung zukommt, vergessen sind; aber in der grössten Anzahl der Fälle werden ein oder zwei Erinnerungen aus der frühesten Kindheit reproduziert und heben sich mit einer unvermittelten Klarheit, die überrascht, aus dem sonst vollständigen Dunkel jener Zeit. Die Frage ist nun einerseits formalpsychologisch: Wie kommt es, dass es so klare neben kaum schattenhaft erhaltenen Erinnerungen gibt und andererseits individualpsychologisch: welche Ereignisse sind es, welches ist der Inhalt der Erinnerungen, und wie ist es zu verstehen, dass gerade sie es sind, die im einzelnen Falle reproduziert werden. Wir wollen zuerst die formale Frage erörtern, aber gleich bemerken, dass diese Forschungen eine unzweifelhafte und überraschende Bestätigung der Theorie des Gedächtnisses geliefert haben, wie ich sie auf Grund der Arbeiten Henri Bergson's und Alfred Adler's in meinem Buch über „Henri Bergson's Philosophie der Persönlichkeit”1) entwickelt hatte.
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