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Vorbedingung für jede Neurose ist nach Frank eine entsprechende Disposition. An Psychoneurogen erkranken feinfühlige, sittlich hochstehende, künstlerisch begabte Menschen, die in hohem Masse aufopferungsfähig und sehr gewissenhaft sind. Wie sie sich in ihrer ganzen psychischen Reaktionsweise ähnlich wie die Künstler vom Durchschnittsmenschen unterscheiden, so ganz besonders durch ihr Affektleben. „Die Eindrücke, die sie von der Aussenwelt empfangen, verursachen tiefere Bahnungen. Der durch sie ausgelöste Affekt ist intensiver und birgt häufig die Gefahr in sich zu stark zu werden. Diese Eindrücke werden für die Entstehung der späteren Neurose von ausschlaggebender Bedeutung” (S. 3). Beim Erleben affektbetonter Szenen tritt häufig ein so starker Affekt auf, dass ein hypnoider Zustand entsteht; d. h. das Bewusstsein wird so eingeengt, dass es von dem betreffenden Ereignis ausgefüllt wird. Dieses gewinnt dadurch die Tendenz unterbewusst zu werden. Tritt später eine assoziative Anregung der Erinnerung auf, so erfolgt meist eine Zurückstauung des Affektes; tritt er doch in das Bewusstsein über, so wird er verdrängt. Die Affekte neigen dazu sich zu akkumulieren. Eine Verstärkung erfahren sie ferner durch die Konversion bzw. die Neubesetzung. Ebenso wie mit den Neurosen verhält es sich mit den sexuellen Perversionen. „Bei der Entstehung dieser Abnormitäten handelt es sich — selbstverständlich abgesehen von angeborenen Zuständen — genau so um die Übertragung — i. e. die assoziative Verknüpfung des sexuellen Affekts mit einer Vorstellung, einem Gegenstand, einer Person oder Teilen von Personen, mit Tieren oder Teilen derselben etc, wie es sich bei der Entstehung z. B. von Angstneurosen und Zwangsvorstellungen mit der Übertragung der Angst verhält. Auch hier muss die Fähigkeit zu einer tiefen Bahnung vorhanden sein, ebenso die Tendenz der unterbewusst gewordenen gefühlsbetonten Vorstellungen sich wieder bewusst zu machen, so dass immer wieder ein ähnlicher Vorgang wie der bei