You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In der Debatte über „Onanie”, die ja seit geraumer Zeit der Öffentlichkeit vorliegt, sprach ich auch über das Phänomen des Sexualwiderstandes und sagte: „Alles, was wir leicht spielend erreichen können, ist uns keine Lust mehr. Wir alle suchen den ewigen Kampf. Wir sind eigentlich alle Kämpfernaturen, denen der Kampf ein Bedürfnis ist. Da uns unsere Kultur nicht Gelegenheit zum Kampfe nach aussen gibt, so wendet sich der Kampf nach innen. Wir schaffen uns künstliche Widerstände, um sie überwinden zu können und so die Bedeutung des Sieges zu vergrössern. Dadurch, dass die Onanie verboten ist, erhält sie die stärkste Lustbetonung. So wird das Schuldbewusstsein bei der Onanie zum stimulierenden Faktor.” Bleuler macht nun einen, wie er glaubt wäre es der erste, Versuch zur Erklärung des Sexualwiderstandes. Er betont ebenfalls die Bedeutung der Hemmung als Steigerung des Reizes und verweist, ähnlich wie ich, auf die Bedeutung bipolarer Tendenzen im Seelenleben. Er betont besonders die Verbindung von Tod und Sexualität, die Bedeutung der Inzestschranke und die wichtige Frage der Schuldfaktoren bei der Onanie. Er behauptet treffend: Der Schluss liegt nahe, „dass die Übertragung des negativen Affektes von der Onanie auf die Sexualbetätigung überhaupt, die ganz sicher statthaben müsste, das Wesentliche an der allgemeinen Sexualhemmung sein werde”. Doch es gibt noch wichtige andere Momente zu berücksichtigen, wenn man das Phänomen des Sexualwiderstandes psychologisch und soziologisch betrachten wollte. Warum verpönt unsere Zeit die homosexuellen Kräfte und gibt sie dem Untergang preis? Wahrlich diese Frage würde eine eigene ausgedehnte Untersuchung erfordern und wir müssen Bleuler dankbar sein, dass er diese wichtigen Themen angeregt und deren Lösung in so geistreicher und treffender Weise angebahnt hat. Der kurze Aufsatz, der sonderbarerweise am Schlusse des Heftes steht, ist der lesenswerteste des ganzen Bandes.
Stekel.