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Die Methode, die dieses Buch leitet, ist nicht die psychoanalytische und ein Grundgedanke steht im Gegensatz zu den Lehren der Psychoanalytiker und zur allgemeinen Überzeugung. Ich glaube nämlich und ich suche es aus historischen Daten und psychologischen Erfahrungen zu beweisen, dass das Liebesleben des Menschen nicht nur eine Wurzel hat, nämlich die Sexualität sondern zwei, die Sexualität und die seelische Liebe, die ich als etwas durchaus und prinzipiell vom Geschlechtstrieb Verschiedenes und ihm sogar Entgegengesetztes auffasse. Ich bin mir klar, dass diese These nicht anerkannt wird, und habe, um sie unantastbar zu machen, eine sehr grosse Menge von Beweisen herbeigeschafft. Kulturhistorische Verwirklichung hat die rein seelische Liebe vor allem im Mittelalter gefunden (aber auch noch Goethe und Beethoven gehören zu ihren entschiedenen Repräsentanten), sie ist in der Anbetung der Frau, in der Madonnenliebe vollendet worden. Ich führe aus, dass nicht die von der Kirche gebotene Marienverehrung dagewesen ist, sondern dass die vergöttlichende seelische Frauenliebe die eigentliche Gestalt der Madonna geschaffen und zur liebenden Anbetung aufgestellt hat. Diese rein seelische Liebe tritt als zweite Wurzel der Erotik im Zeitalter des Troubadours und der Kreuzzüge auf und bestimmt bald das ganze Liebesleben; bis dahin hat nur die erste, die physiologische Wurzel bestanden, die das Altertum und das frühe Mittelalter beherrscht und natürlich neben der seelischen Liebe weiter besteht und auch zu bestehen niemals aufhören kann, aber in der ethischen und psychologischen Wertung, sowohl im Bewusstsein des einzelnen, als auch im allgemeinen Kulturbewusstsein, eine veränderte, geringere Stellung einnimmt. Erst die neue Zeit (etwa von Rousseau angefangen) fühlt das Bedürfnis, die beiden Wurzeln der Erotik zu einem Höheren, zu der einheitlichen persönlichen Liebe zu vereinigen. Diese Synthese kann bis heute nicht als vollendet angesehen werden, aber alle erotischen Tendenzen de