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Aus dieser Selbstbiographie, die Goethe und Hebbel sehr hoch einschätzten, können wir Psychotherapeuten mehr lernen, als aus mancher gelehrten Krankengeschichte. Ich halte diesen Roman für eines der besten Bücher, die mir untergekommen sind. Wertvolle Beiträge zur Psychologie des Minderwertigkeitsgefühles und seiner Entstehung sind besonders hervorzuheben. Und wie fein schildert Moritz die Entstehung des infantilen Trotzes: „Ihr unaufhörliches Verbieten von Kleinigkeiten und beständig Schelten und Strafen zu unrechter Zeit verleidete ihm alle edleren Empfindungen. Sein Gefühl für Beifall und Lob ward dadurch so sehr unterdrückt, dass er zuletzt beinahe seiner Natur zuwider, eine Art Vergüngen darin fand, sich mit schmutzigen Gassenbuben abzugeben und mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, bloss weil er verzweifelte, sich je die Liebe und Achtung wieder zu erwerben, die er durch seine Mutter verloren hatte, welche immer auch vor fremden Leuten von seiner schlechten Aufführung sprach, wodurch dieselbe denn wirklich anfing schlecht zu werden und sich zu verschlimmern schien.” Auch der Psychotherapeut sollte diese feinen Trotzreaktionen kennen und versuchen, durch Lob die Leistungen zu steigern und den so gefährlichen Trotzreaktionen auszuweichen. Doch dies kleine Beispiel ist nur willkürlich herausgegriffen. Man muss das Buch mit Aufmerksamkeit lesen und man wird unzähliche Anregungen ähnlicher Art finden. Übri gens möchte ich bei dieser Gelegenheit die ganze Sammlung „Erlebnis und Bekenntnis”, deren dritter Band der Reiser ist, der Aufmerksamkeit unseres Leserkreises empfehlen. Es handelt sich um Selbstbiographien, also um kostbares Material. Hier finden sich neben Goethes „Dichtung und Wahrheit”, Platters Lebensbeschreibungen, der köstliche Magister Laukhard, Rousseaus's berühmte Bekenntnisse, Benvenuto Cellini's Memoiren in mustergiltiger Ausstattung und sorgfältiger Redaktion. Mit Recht sagen die Herausgeber: „In den Bekenntnissen der glühendsten Seelen, in den Selb