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Seit langen Jahren ist es für die Arbeitsweise Freud’s charakteristisch, dass er gegen seine Lehre gerichtete Kritiken und Argumentationen nicht weiter beachtet, sondern auf seinen Anschauungen weiterbaut, als seien sie ein für allemal zu wissenschaftlicher Evidenz erhoben und einer weiteren Diskussion nicht mehr Ledürftig. Die vorliegende Arbeit zeigt diese Isolierung vom allgemeinen Leben der Wissenschaft in einer gewaltigen Steigerung begriffen. Die letzten anderthalb Jahre haben ja gezeigt, wie innerhalb des Freudkreises selbst eine der Frend’schen Aufstellungen nach der andern fallen gelassen wurde und man sollte meinen, dass es jetzt endlich an der Zeit wäre, die Grundlagen zu erörtern und zu überprüfen, ehe man weiterschreitet. Wir sehen aber ganz im Gegenteil, dass Freud hier neuerlich, ohne den leisesten Versuch einer Würdigung oder Entkräftung der Gegenargumente, seine Lehre vom Ödipuskomplex zum Grundpfeiler der Untersuchung macht. Ja, die logische Wertigkeit dieser Lehre ist für ihn so hoch, dass die gewagtesten Hypothesen für ihn Beweiskraft gewinnen, wenn es nur mit ihrer Hilfe gelingt, beim Ödipuskomplex zu münden.
Der Totemismus ist ein so dunkles und verwickeltes Gebiet, dass unter den Spezialforschern die verschiedensten Meinungen einander gegenüberstehen, worüber uns Freud übersichtlich informiert. Nicht nur in ihren Erklärungsversuchen herrscht verwirrende Mannigfaltigkeit, auch im Tatsächlichen, in der Frage, was am Totemismus ursprünglich, was spätere Entwicklung sei, gehen die Meinungen weit auseinander. Der Psychoanalytiker, der von aussen an diese Dinge herankommt, ist also von vornherein in einer sehr schlimmen Lage. Aus der Kenntnis des Materials heraus eine Entscheidung zu treffen, ist ihm naturgemäss versagt und so steht er vor der Gefahr, von den sich darbietenden Hypothesen willkürlich die auszuwählen, die seiner Deutungsabsicht am besten entgegenkommt. Freud aber geht noch weiter. Einen Zug, den der eine Spezialforscher als „in der Reg