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(Originalbericht über den 17. internationalen Kongress für Medizin in London.)
Sind die psychoanalytischen Forschungen über Sexualität in meinem Referat exakt zusammen gefasst? Viele Schüler der Freud’schen Schule würden dies vielleicht bestreiten und mir vorwerfen, dass ich das Wort Sexualität in einem zu wörtlichen und zu brutalen Sinn nehme. Ein Artikel Freud’s scheint die Kritik, der ich mich ausgesetzt habe, vorweg zu nehmen. Vor einigen Jahren hatte eine von ihrem Mann getrennt lebende Frau, die an Depressions- und Angstzuständen litt, einen jungen Arzt, einen Freudschüler konsultiert. Dieser junge Arzt erklärte der Patientin als gelehriger Schüler Freud’s, dass alle ihre Störungen von einer ungenügenden sexuellen Befriedigung kämen und verordnete ihr folgendes einfache Rezept: „Entweder die Ehe wieder aufnehmen oder sich einen Liebhaber halten.” Zu meiner grossen Beschämung muss ich gestehen, dass mir der Einfall dieses Kollegen nicht so übel scheint; vielmehr glaube ich, dass er die ihm gelehrte Auffassung sehr korrekt augewendet hat. Die Kranke jedoch behauptete, dieses Rezept leider nicht anwenden zu können und klagte durch diesen Rat in Verwirrung gesetzt zu sein. Freud nahm ihre Beschwerden auf und tadelte seinen allzu gelehrigen und kompromittierenden Schüler in einem heftigen Artikel2). Er erklärte, dieser Schüler habe den Sinn des Wortes „Sexualleben” zu eng gefasst und nur auf rein somatische Funktionen angewendet, während die Psycho-Analyse das Wort in einem viel weiteren und moralischeren Sinne nimmt. Alle zärtlichen und liebevollen Empfindungen müssten als dem Sexualleben zugehörig betrachtet werden, denn sie haben in dem ursprünglichen Geschlechtstrieb ihre Quelle. Wenn man von diesen Dingen spreche, müsse man das Wort sexuell „sublimieren”. Um die Verantwortlichkeit für die fälschlichen Anwendungen der Psycho-Analyse zu vermeiden, erklärte der Leiter dieser Schule eine internationale Organisation gründen zu wollen; durch diese Organisation sollte