You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Patientin steigt in ihrem Hause die Treppe hinauf. Da kommt ihr ein Schlächtergeselle entgegen, der höflich grüssend an ihr vorübergeht. Sie antwortet nicht und hat ein starkes Gefühl des Hasses und Abscheus.
Einige Tage vorher war sie Zeugin, wie ein Kind überfahren wurde. Eine Wut packte sie gegen den Kutscher, und im ersten Impuls wollte sie sich auch bei dem Schutzmann, der den Tatbestand feststellte, als Zeugin gegen den Kutscher notieren lassen. Doch wurde ihr noch rechtzeitig klar, dass sie gar nicht beobachtet hatte, ob er schuldig war. Sie drängte den Hass zurück, und die Erregung über den Anblick machte sich Luft in Weinkrämpfen, bei denen ihr ein gewisses Gefühl der Freude gar seltsam zum Bewusstsein kam. Nach der Begegnung auf der Treppe fiel ihr plötzlich ein, dass der Kutscher ein Schlächtergeselle gewesen war.
An zwei Punkten ist die Affektbesetzung so reichlich stark, wie es das Ereignis nicht erfordert. Diese sind:
Das überfahrene Kind,
der Kutscher.
Das Kind ist ihr das Symbol des eigenen Genitale. Das wird überfahren, kommt unter die Räder. Die Patientin, die eine sichere Grossstädterin ist, kann in Zeiten nervöser Abgespanntheit lange Zeit am Strassenübergang warten, aus Angst, überfahren zu werden, selbst wenn gar keine Aussicht dazu vorhanden ist. Dann gesellt sich die Vorstellung hinzu, man könnte „fallen” und dann überfahren werden. Die Symbolik ist klar. Die Angst ist der verdrängte Wunsch, zu fallen, der Wunsch nach sexueller Hingabe. Von Kindheit an war ihr oft gesagt worden: Du bist übergefahren (verrückt). Das setzte sich in ihr fest und verband sich mit späteren Eindrücken des Verrücktseins. Als sie als Kind den Sexualakt der Eltern belauschte, erschien ihr das als Wahnsinn. Ein junges Mädchen der Bekanntschaft wurde wahnsinnig durch ein Liebeserlebnis. Da erlebte das Kind wieder die Verknüpfung, aus der ihm die Identifizierung wurde: Liebe — Wahnsinn. Als erwachsenes Mädchen hatte sie viele Irrenhausphantasien. Die Angst vor dem Wahnsinn li