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Im Juli 1909 wurde in unsere Anstalt ein ungefähr 20 jähriger junger Mann aufgenommen, der bei seinem Eintritt für den oberflächlichen Beobachter Symptome zeigte, die an eine Psychose organischen Ursprungs hätten denken lassen können.
Für den ersten Augenblick machte es den Eindruck, als handelte es sich um ein Anfangsstadium einer Schizophrenie.
Der Kranke, ein junger Mensch von schmächtigem Äusseren, sah bei seinem Eintritt sehr angegriffen und abgemagert aus. Sein Gang war hinkend infolge einer spastischen Kontraktur des linken Beines. Nur mit Mühe gelang es ihm, sein Zimmer zu erreichen. Dort angelangt, warf er sich angekleidet auf den Divan und blieb eine Zeitlang regungslos liegen. Seine Augen waren weit aufgerissen, der Unterkiefer hing herab, der Puls war langsam, und die an ihn gerichteten Fragen schien er nicht zu verstehen. Er befand sich sichtlich in einem Dämmerzustand, der 6 Minuten dauerte. Nach einem heftigen Zittern schien er wie aus einem Traume zu erwachen und fragte ganz eintönig, wo er sich befinde, und auf welche Art und Weise er hierher gekommen sei. Ich benützte diesen Augenblick, um an ihn die für eine Diagnose wichtigsten Fragen zu stellen. Er beantwortete sie sämtlich dem Sinne nach richtig, brauchte aber sichtliche Mühe, um sich auf ein bestimmtes Objekt zu fixieren. Ausserdem fiel mir sofort auf, dass zwischen meiner Frage und seiner Antwort eine anormal lange Reaktionszeit lag.
Bei einigen Fragen, wie z. B. nach seinem Geburtstag oder nach dem Namen seines Vaters, versagte er mir gänzlich. Er konnte sich nicht mehr daran erinnern, wo er geboren war und wie der Vorname seines unlängst verstorbenen Vaters war. Sagte ich ihm den Namen seines Vaters, oder sprach ich von seiner Mutter, vom Tode oder von irgend einer Frau, so lösten sich bei ihm Absenzen oder Sperrungen von variabler Dauer aus.
Im Handeln war er ebenso gehemmt wie im Denken. Die Gesten, die seine Gespräche begleiteten, wurden energielos ausgeführt; — man hatte den Eindruck, dass