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(Aus dem Englischen übersetzt von med. Dr. Ph. Aszkenasy.)
Immer wieder müssen wir Psychoanalytiker uns die Frage vorlegen, wie wir unsere Erfahrungen wiedergeben sollen. Sollen wir uns an die historische Reihenfolge halten, wie wir die Tatsachen erfahren haben, oder sollen auch künstlerische Momente in der Abfassung einer Krankengeschichte gelten? Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Die erste wäre eine unzusammenhängende verwirrende Geschichte, die den Leser ermüden würde (auch eine Menge unwesentliche Details müsste sich vordrängen), während die zweite Methode eine plastische Wiedergabe ermöglicht, uns jedoch keinen Einblick in das Wesen und die Mechanik der Psychoanalyse gewährt. Ich setze aber psychoanalytisch geschulte Hörer voraus und entscheide mich für die zweite Methode.
Folgender Fall ist für mich von besonderem Interesse, erstens weil es der erste von mir mittels Psychoanalyse behandelter Fall war, zweitens weil ich im Laufe der Behandlung, zu meiner grossen Überraschung, öfters Gelegenheit gehabt habe, Freud's Anschauungen zu bestätigen, und nichts fand, das seine Schlussfolgerungen auch in den weniger wichtigen Details widerlegen könnte.
Patientin ist 23 Jahre alt, verheiratet, keine Kinder. Sympathisches, anziehendes Äusseres, kräftig gebaut, von gesunder Konstitution. Clitoris typus (Maeder); besuchte in New York die öffentliche Elementarschule sowie ein Jahr höhere Schule.
Familienanamnese negativ. Patientin hat 6 Brüder und 5 Schwestern; Mutter 49 Jahre alt und leidet seit 6 Jahren an „Angstneurose”. Vater gesund.
Patientin besuchte mich im April 1911 in Begleitung ihres Mannes und klagte über öftere Attacken von Abdominalschmerz, über hartnäckige Obstipation, Schmerz im Rektum, grosse Reiz- und Erregbarkeit, unangenehme Träume, plötzliches Erwachen aus dem Schlafe, Furcht vor Alleinbleiben zu Hause; Depression, Selbstmordideen sowie über intensive Schmerzen von bohrendem, stechendem Charakter während des Koitus.