You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ein Herr Dr. L. W. erzählt in der Frankfurter Zeitung, 31. Aug. 1913 2. Morgenbl. folgende kleine Geschichtchen:
Als ich meiner Familie, die vor mir in Ferien gegangen, in die Sommerfrische nachgereist war, da zeigte mir Klein-Lotte sofort nach meiner Ankunft mit grossem Eifer alle die grossen und kleinen Schönheiten unseres Aufenthaltsortes. Ich bewunderte natürlich alles gebührend. „Ja,” sagte dann Lotte, die in Religion ihre beste Note hat und auf die seinerzeit die Schilderung des Lebens von Adam und Eva im Paradiese einen grossen Eindruck gemacht hatte, „ja, Papa, Du brauchst Deinen Koffer gar nicht auszupacken, Frau N. sagte, hier sei es wie im Paradiese, und da brauchst Du, wie Adam, auch nur ein Feigenblatt za tragen!”
Einige Tage später lag ich mit Lotte im Grase; wir sahen einem Grashüpfer zu. Dann schauten wir in den Himmel. Da frug mich die Vierjährige:
„Papi, wie ist denn die Telephon-Nummer vom lieben Gotte?”
„Ja, Kind, warum willst Du denn das wissen?”
„Ich möchte den lieben Gott gerne was fragen.”
„Was denn Lotte? Vielleicht kann ich Dir es auch sagen.”
„Nein, ich möchte den lieben Gott selbst sprechem.”
„Das geht nicht, Kind; der liebe Gott hat kein Telephon.”
Lotte sieht mich erstaunt an and lächelt etwas spöttischüberlegen, gerade als wollte sie sagen: „Na, Leute, die wir kennen, haben doch Telephon.” Sie begrüsst nämlich zu Hause jeden Tag schon am Morgen ihren Grossvater telephonisch. Ich fühle mich deshalb verpflichtet, zu erklären, warum der liebe Gott kein Telephon habe. Sie scheint aber von der Richtigkeit meiner Ausführungen überzeugt zu sein, denn sie sagt: „Wenn der liebe Gott wirklich kein Telephon hat, dann will ich Dich fragen; vielleicht weisst Du es auch. Ich möchte gerne wissen, was ich gewesen bin, ehe ich bei Euch Kind geworden bin.”