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Die unterzeichneten Pädagogen erklären gegenüber der auf irrtümlichen und einseitigen Annahmen beruhenden in Breslau beschlossenen „Warnung vor den Übergriffen der Jugend-Psychanalyse”:
Mit den beiden Hauptsätzen der Erklärung sind wir einverstanden. Wir betrachteten die psychanalytische Methode von jeher lediglich als eine Methode neben anderen und verwerfen ihre direkte Anwendung am normalen Kinde, sofern sie zu einer „Entharmlosung” (Stern) führen kann.
Dagegen halten wir eine vorsichtig angewendete Psychanalyse gewisser kranker Kinder durch den taktvollen und kundigen Arzt oder unter seiner Leitung durch den besonders ausgebildeten Erzieher für ein höchst wertvolles Mittel zur Heilung und „Verharmlosung”, zumal wo ein Kind unter bewussten oder unbewussten hässlichen Vorstellungen bereits leidet; vor dilettantischer Kinderanalyse ist zu warnen.
Die Pädagogik hat ein starkes Interesse an der Ausbildung der wissenschaftlichen Pädanalyse, sofern die an kranken Kindern und Jugendlichen, sowie an Erwachsenen gewonnenen Analysen wichtige Rückschlüsse auf die psychologischen Vorgänge und die pädagogische Beeinflussung normaler Kinder zulassen.
Die Unterzeichner der Breslauer Erklärung kennen nur die eine Seite der Psychanalyse: Die Untersuchung und Aufdeckung der Sexualität. Wir sehen jedoch in der Psycho-Analyse, der Bedeutung des Wortes entsprechend, nicht nur dies. Denn wir sind überzeugt, dass auch diejenigen Kräfte des unbewusten Seelenlebens zu erkennen sind, die den Menschen seiner höchsten Bestimmung zuführen. Somit wird die Psychanalyse ganz besonders auch bewusst zu machen haben, welche unbewussten Hemmungen zu beseitigen, und welche persönlichen Lebensaufgaben zu erfüllen sind. In wissenschaftlicher Hinsicht soll die Pädanalyse denjenigen Interpretationen den Vorzug geben, die den Normen der Induktion entsprechen.
H. Baur, Pfarrer in Basel; G. Blattmann, Lehrer in Luino (Italia); Universitätsprofessor Dr. P. Bovet, Direktor der „Ecole des Sciences de l'Education (