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Ein Fragment nennt der Autor sein Werk mit jener Bescheidenheit, die den gründlichen Kenner eines Gebietes auszuzeichnen pflegt; und ein solcher Kenner der Mythen und Sagen der alten Völker ist A. J. Storfer. Dem
Buche kommt bei der ausserordentlichen Rolle, die das Dogma von der Jungfräulichkeit Marias im Geistesleben der Völker Europas gespielt hat, eine hohe Redeutung zu und die analytische Arbeit des Verfassers ist auf der Höhe dieser Aufgabe geblieben. Sie ist besonders klar durchdacht und dargestellt. Dem Dogma von der unbefleckten Empfängnis des Heilandes ist sowohl vom freisinnigen Protestantismus wie vom militanden Freidenkertum oft arg zugosetzt worden. Der Rationalismus übersieht gewöhnlich, dass die kirchliche Doktrin nicht Ursache, sondern bloss eine sekundäre Erscheinung ist und dass die allgemeine Menschlichkeit des Motives über historisch-geographisch-kulturelle Isoliertheiten hinausragt. Der Mythus von der jungfräulichen Mutter ist ein wichtiges Glied im Gewebe jener tieferen Religion, die nicht aus Offenbarungen, Konzilbeschlüssen und Hirtenbriefen herauswächst, sondern im Völkerpsychischen, in letzter Hinsicht also im Seelenleben des Menschen schlechthin wurzelt und bisher eher nur von unten heraus den niedrigsten Äusserungen (wie es beispielsweise der Aberglaube ist) zu begreifen ist, als nur aus dem offiziell zurechtgelegten kirchlichen Bekenntnis. Es hiesse aber die Funktion dos sozialen Religionsverbandes im völkerpsychischen Haushalte überschätzen, fügte man nicht hinzu, dass im wesentlichen auch der hierarchisch modifizierte Religionsgehalt von der untersten und letzten Instanz durchans abhängig ist, — abhängig in dem Sinne, dass die „legitimen” Legenden, Dogmen, Kultgebränche, wie sie sich in einer organisierten Religionsgemeinschaft entwickeln, wohl in ihrer äussersten Hülle der „Zensur” durch das völkerpsychische Oberhewusstsein unterworfen sind, in den ihnen zugrundeliegenden Affekten und Vorstellungsverkuüpfungen aber umso hartnäckige