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Freud hat uns gelehrt, dass es im Seelenleben nichts Zufälliges gibt. Was bei oberflächlicher Betrachtung zufällig, unbegründet erscheint, ist in Wirklichkeit sehr genau bestimmt, determiniert, meist sogar bedeutend überdeterminiert durch Vorgänge, die unbewusst bleiben, sich also der direkten Beobachtung entziehen, so wie oft das Handeln eines andern unvernünftig und unbegründet erscheint, weil wir seine Beweggründe nicht kennen. Wir haben gelernt, dass Allgemeingefühle, Stimmungen nichts anderes sind als Spiegelungen unbewusster Urteile, dass uns etwas Lustoder Unlustvolles bevorsteht; dass Sympathie, Gefühle, Vorurteile, die wir einer Person oder einer Sache entgegenbringen, auf unbewussten Urteilen beruhen, wir hätten von dieser Person Lust oder Unlust zu erwarten. Es sind dies Urteile, die meist wieder auf unbewusste Erinnerungen an eine andere Person oder Sache zurückgehen, die mit der vorliegenden irgend einen Zusammenhang hat — und mag er auch nur auf einer ganz oberflächlichen, unlogischen Assoziation beruhen — und an die sich eine lust- oder unlustvolle Erinnerung knüpft. Kurz, was im Seelenleben unbegründet und zufällig erscheint, hat doch eine Begründung, die nur unbewusst bleibt, teils wegen ihrer geringen Bedeutung und Oberflächlichkeit, teils — und dieser Fall ist der wichtigere — aus anderen Gründen (Verdrängung). Freud hat so das Kausalitätsprinzip, das bisher nur in der Physik galt, auf die Psychologie ausgedehnt.
Diese Erkenntnis, die aus Beobachtungen und Analysen an Kranken, später an Träumen und Fehlhandlungen Gesunder gewonnen wurde, ist dazu angetan, unsere ganze Psychologie einer Revision zu unterwerfen. Was bisher als letztes, nicht mehr analysierbares Element gegolten hat, wird zum Resultat vieler kleiner und kleinster Faktoren und Summanden, und so erscheint es auch nicht mehr aussichtslos, den Vorgang einer Analyse zu unterwerfen, der bisher immer als der geheimnisvollste, wahlloseste gegolten hat, dem mit Vernunft und Analyse beikommen z