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Zu dem interessanten Artikel von Coriat über Lady Macbeth wäre vielleicht noch folgendes zu ergänzen:
Zunächst drängt sich beim Lesen die Frage auf: Woher die Teilung in Tapferkeit beim Wachen und Feigheit, Verzagtheit in den Träumen, in denen das Unterbewusstsein, das Verdrängte, sich Geltung verschafft? Welches von beiden ist das Primäre? Lady M. ist eine von den Frauen, deren Natur ein gross Teil männlicher Elemente enthält, eine Geistesverwandte von Jeanne d'Arc, Florence Nightingale, Katharina II. und anderer, deren Namen uns wegen hervorragender Leistungen auf irgend einem Gebiet von der Geschichte erhalten wurden. Aber sie hat nicht das Glück gehabt, in einer Zeit zu leben und an einem Platze zu stehen, die ihr das Ausleben dieser Fähigkeiten ermöglichten, und hat deshalb die Wünsche und Hoffnungen, die sie für sich selber nicht verwirklichen konnte, auf ihren Gemahl übertragen, den Tüchtigkeit über alle anderen Untertanen des Königs, sogar über diesen selbst, hinaushebt, den Ehrgeiz sein Begehren bis zum Königsthron erheben lässt. Sie versteht diesen kaum geborenen Gedanken sofort mit dem, was ihm in ihrer eigenen Natur verwandt ist, erfasst ihn um so intensiver, als in ihr all die Energie aufgespeichert liegt, die Macbeth selber Gelegenheit hatte, in Taten umzusetzen. Sie hält daran fest und ermutigt ihn, wenn er schwankend werden will, und hat den Mut selbst zur Sünde, zum Mord, zum niedrigsten Verrat, wenn anders ihr Ziel nicht erreicht werden kann. Sie will kein Warten, kein Aufschieben, gleich die erste Gelegenheit soll benutzt werden. Diese Hast ist schon ein Vorbote ihrer Krankheit; doch davon später. Daneben scheint Lady M. eine starke feindliche Einstellung gegen ihren Vater gehabt zu haben, wie wir sie sonst vielfach sehr ausgeprägt bei Söhnen finden. Diesen Hass überträgt sie auf den König, der den Platz einnimmt, den sie für sich, d. h. ihren Gemahl, mit dem sie sich identifiziert, beansprucht. Und mit diesem Hass Hand in Hand geht eine Abwehr jed