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Die „himmlische Musik” ist bekanntlich ein Phänomen, das unter den verschiedensten Umständen auftritt: bei Regression der Psyche, am Sterbelager, in schweren psychischen Krisen, in der religiösen Extase (Fra Angelico, Odillon, Redon) in der künstlerischen Inspiration usw. Tschuang-tse beschreibt einen Fall von „himmlischer Musik” folgender Art im Beginne des Buches Tsi-Wu Lum (Ann. Mus. Guimet XX. 227).
Tse-tschi von Nan-Kuo sass gestützt auf einem kleinen Tisch und sann, die Augen gen Himmel gerichtet. Yen-Tscheng-tse-yu nähert sich ihm und fragt ihn, was er denn tue, ob er in der Ferne schweife und Körper und Seele vertrocknen lasse. Ist er wirklich in diesem Zustand? Dann wird erzählt:
„Du hast recht, antwortete Tse-tschi; denn heute habe ich mich verloren, ich habe mich selbst vergessen und beerdigt. Verstehst du mich? Vielleicht weisst du nicht, was die Musik der Erde und die des Himmels ist. Darauf erklärt er ihm, dass die Musik der Erde entstehe, wenn der Wind in den Löchern und Höhlen bläst. Was aber die himmlische Musik anlange, so ist sie das Werk der Leidenschaften und der Gefühle, die im Herzen toben. Die es Tag und Nacht schütteln, deren Ursache wir aber nicht zu ergründen vermögen. Sie sind nicht ohne mich und ich bin nicht ohne sie. Sie müssen ein schaffendes Prinzip haben, einen stabilen Herrn (Jung's Ich-Komplex?), aber man kann ihre Form nicht sehen.”
Die himmlische Musik bietet der theosophischen Geheimlehre Gelegenheit zu tiefgründigen naturphilosophischen Gedanken (die Vach-Lehre der Indier z. B.) wie sie auch in der praktischen Magie, z. B. in der Mantsam-Kunst und in der kaballistischen Batt-Kol, eine Art auditive Autopsie1) eine Rolle spielt. Auch das ästhetische Problem der Musik und des Musikers hat den Okultismus der himmlischen Musik zum Hintergrund.
Resink.