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Um den Geltungsbereich der Psychoanalyse für die Pädagogik zu bestimmen, ist vorerst nötig, Wesen und Aufgabe der beiden Wissenschaften zu erfassen, um feststellen zu können, wie weit die beiden zur Deckung gebracht werden können.
Die Psychoanalyse ist einmal ein Verfahren der psychologischen Forschung. Ihr Sondergebiet ist die Erforschung des Unbewußten im Sinne Freuds. Dieses Unbewußte ist Seelisches, das am Bewußtwerden verhindert, aber irgendwie seelisch aktiv ist. Diese Aktivität können wir an bestimmten Veränderungen, die dem bewußten Erfassen zugänglich sind, feststellen. Die methodische Leistung der Psychoanalyse besteht darin, die Ursache der Behinderung des Bewußtwerdens aufzuheben, das bisher Unbewußte ins Bewußtsein treten zu lassen und es durch Vergleiche der seelischen Zustände vor, während und nach dem Bewußtwerden zu begreifen.
Psychoanalyse ist ferner ein Heilverfahren. Das Unbewußte ist aus einer Verdrängungsleistung hervorgegangen. Diese bedeutet einen mißglückten
Versuch, einen ungelösten Konflikt aus der Welt zu schaffen. Nach einer Ordnungsstörung im Bewußtsein gelang es nicht, die Ordnung wieder herzustellen. Diese seelische Unordnung wird verdrängt und bleibt als solche unbewußt bestehen. Sie wird dadurch zu einem seelischen Störenfried. Durch das psychoanalytische Verfahren wird versucht, die Verdrängungsarbeit rückgängig zu machen und die seinerzeit verfehlte Ordnung nachträglich zu stiften. Seelische Ordnung ist, allgemein gesprochen, seelische Gesundheit.
Die systematische Verarbeitung der Ergebnisse der Psychoanalyse als Forschungs- und Heilmethode führte zu einem wissenschaftlichen Gedankengebäude über die gesunde und die kranke Seele mit Tatsachen, Theorien, Hypothesen usw. Es unterscheidet sich von anderen durch die Betonung der unbewußten seelischen Prozesse. „Ursprünglich die Bezeichnung eines bestimmten therapeutischen Verfahrens, ist es (das Wort Psychoanalyse) jetzt auch der Name einer Wissenschaft geworden, der vom Unb