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Das Kind ist triebhaft in allem, was es tut. Ohne Vorstellungen irgendwelcher Art kommt es zur Welt. Am Neugeborenen sieht man keine Spur von Aufmerksamkeit, von Denken oder irgendeiner Geistestätigkeit. Hingegen steckt schon das Neugeborene voll von Trieben und Gefühlen. Es schreit, und so nehmen wir an, daß es Unlust empfindet. Es sucht und ergreift mit seinem Saugemündchen die Brustwarze, und wir nennen das den Ausdruck seines Bemächtigungstriebes. Das selige Versinken des gesättigten Säuglings in Schlaf kann schwerlich anders denn als Lustempfindung gedeutet werden.
In früheren Zeiten hat man scharfsinnige Abhandlungen geschrieben über die Frage, von wann an das Kind eine Seele habe. Die Kirche hat dekretiert, daß die Frucht im Mutterleibe in der zweiten Hälfte der Reifezeit, also vom fünften Monat an, beseelt sei. Die Wissenschaft hat diese nutzlose Frage aufgegeben. Seele ist ein Sammelbegriff, und wenn dieser Begriff durchaus definiert werden soll, so kann dies nur in Anlehnung an eine geistreiche Definition des Begriffes Elektrizität so geschehen: Seele ist der Inbegriff aller Eigenschaften, die wir von ihr kennen. In diesem Sinne hat die Kinderpsychologie festgestellt, von wann an das Kind Angst zeigt, wann es Farben zu unterscheiden beginnt, wann es lacht, greift, läuft. Das sind die einzelnen Teile. Die Erfassung der gesamten Persönlichkeit des werdenden Geschöpfes ist kaum noch eine Angelegenheit der Wissenschaft.