You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eines Tages erhielten wir von der Mutter eines fünfzehnjährigen Töchterchens, das wir Elsa nennen wollen, folgenden Brief:
„In aller Aufregung muß ich Ihnen mitteilen, daß Elsa aus dem Hause muß, und zwar sofort, so kann es nicht mehr gehen.
Wir sind ja seit drei Tagen des Lebens nicht mehr sicher. Die leidet im höchsten Grad an Verfolgungswahn. Ein Kind, das der Mutter alle unflätigen, wüsten Wörter nachruft und sich sogar noch an der Mutter vergreift, das ist kein Kind mehr, für solche ist es besser, sie seien versorgt. Werde heute abend, wenn Vater heimkommt, mit ihm darüber sprechen und werde Ihnen dann mitteilen, wie er darüber denkt. Ich fürchte nur, es könnte einmal ein Unglück geben, und um das zu verhten, muß man etwas anderes versuchen. Ich bin gewiß nicht dafür, das Kind außer dem Hause zu haben, weil es eben schon immer gegen seine Angehörigen ist, aber man wird fast gezwungen dazu.”
Dieser Brief mag den Eindruck erwecken, als seien die darin enthaltenen Mitteilungen übertrieben. In unserer Untersuchung stellte sich aber heraus, daß nur die eine Behauptung, Elsa leide an Verfolgungswahn, auf einem Irrtum beruhte, während alle übrigen Angaben durchaus den Tatsachen entsprachen.
Das Mädchen wurde zu Hause weggenommen und in einem Kinderheim untergebracht. Als es bei mir in die psychoanalytische Behandlung eintrat, lagen schon einige Wochen gleichartige Behandlung bei einem Arzt hinter ihm. Es wohnte damals noch daheim, besuchte seine Schulklasse und kam wöchentlich dreimal zum Arzt. Gerade dieser Umstand scheint zu Hause auslösend gewirkt zu haben. Zu einer Zeit, da von einem Behandlungserfolg noch keine Rede sein konnte, hatte die Mutter mehrmals Elsa gegenüber den Nutzen der begonnenen