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Linette, 13 Jahre alt, ist dasselbe Mädchen, über das ich früher (es war damals drei bis sieben Jahre alt) mehrere Beobachtungen habe machen können, die in meinen „Etudes de Psychoanalyse” aufgezeichnet sind. Sie war fünf Jahre als, als ihr kleiner Bruder geboren wurde. Bis dahin war sie das einzige Kind gewesen. Sie reagierte mit einer recht lebhaften Feindschaft. Mit 6 Jahren drückte sie ihre Gefühle für den Bruder unmißverständlich aus. Sie antwortete auf die Frage, ob man ihren kleinen Bruder in einem Schubkarren fortführen solle: „Ja, aber den Schubkarren wiederbringen!” Als Linette größer wurde, bemühte sie sich ernsthaft, sich besser zu ihrem Bruder zu stellen, aber die unbewußte Feindseligkeit blieb trotzdem lebendig. Diese Feindseligkeit hatte in der letzten Zeit dadurch neue Nahrung erhalten, daß Linette in eine Pension gebracht wurde, während ihr Bruder zu Hause blieb.
Als Linette wieder für einige Tage daheim war, setzte sie sich neben das Bett, in dem sie früher und ihr Bruder jetzt schlief, um zu lesen. Sie gebrauchte zum Aufschneiden der Blätter ein Messer, vergaß aber, es zu schließen, und, was besonders auffiel: sie legte es mitten in das Bett ihres Bruders, und zwar so, daß er sich beim Zubettgehen sehr leicht hätte verletzen können. Glücklicherweise bemerkte er es noch rechtzeitig. Nichts berechtigt zur Annahme, daß dieser Kastrationsversuch ein absichtlicher sei, im Gegenteil, man dürfte eher auf Zerstreutheit schließen. Aber ist diese Handlung nicht bezeichnend?
Zur selben Zeit machte Linette mit erstaunlicher Hartnäckigkeit immer wieder einige ganz bestimmte orthographische Fehler, die in die Kategorie der Flüchtigkeitsfehler gehören, denn sie beherrscht die entsprechende Schreibweise durchaus. Dennoch blieben zahlreiche diesbezügliche Belehrungen fast ohne Einfluß auf diese Fehler. Sie bestanden darin, daß sie die stummen Schluß-s da fortließ, wo sie gesetzt werden müssen, und sie dahin schrieb, wo keine hingehörten (tu fera, il feras). Es muß